Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Ma▀lieben. Cap. LIII.

 

Abbildung Monatsblum
Monatsblum ( LXXIX )
Abbildung: Seite 168

Deutsch: Tausendsch÷n
English: Daisy, English, double-flowered
Francais: paquerette
Francais: petite marguerite
Latein: Bellis perennis var. hortensis
 

Abbildung Ma▀lieben
Ma▀lieben ( LXXX )
Abbildung: Seite 169

Deutsch: Ma▀liebchen
Deutsch: GńnseblŘmchen
English: Margaret, herb
English: Daisy, true
English: Daisy, English
Francais: oeil de boeuf
Francais: grande marguerite
Latein: Bellis perennis
 

Abbildung Gen▀blum
Gen▀blum ( LXXXI )
Abbildung: Seite 170

Deutsch: Wucherblume, gew÷hnliche
Deutsch: Margerite, frŘhe
English: Daisy, oxeye
English: Daisy, moon
English: Daisy, great
English: Marguerite
Latein: Leucanthemum vulgare

Namen.

D
Ie kreüter so wir Maßlieben heyssen / seind von dem Plinio unn Lateinischen Bellius oder Bellis genent.

Geschlecht.

   Der Maßlieben seind zweyerley geschlecht / groß und klein. Das klein ist auch zweyerley / dann eins ist zam / das ander aber wild. Das zam heyßt man Monatblümle / unnd seind desselbigen auch vilerley geschlecht / dann ettlich seind gefüllt / die ander aber ungefüllt / ettlich weiß / die andern aber gantz blutrot. Herwiderumb seind ettlich rot und weiß durcheinander gesprengt. Diß geschlecht würt zu Latein geheyssen Bellis minor hortensis. Das wild würt in sonderheyt genent Maßlieblin / oder klein zeitlößlin / zu Latein aber Bellis minor sylvestris / unnd von ettlichen Primula veris / unnd Consolida minor. Das Groß würt mit seinem rechten namen Genßblum genent / zu Latein aber Bellis maior. In unserm Lateinischen kreüterbuch ist auß jrthumb Minor für Maior gesetzt.

Gestalt.

   Die kleinen Maßlieben so sie erstlich herfür kriechen / seind sie auff der erden außgebreyt / anzusehen wie ein schöner stern / die bletter aber seind lind unnd weych / rund und langlecht / dem Nagelkraut nit ungleich / doch ein wenig zerkerfft / unnd nit so harig. Stoßt zum ersten grüne knöpflin als flachßbollen / die steigen auff dünnen runden stengelin übersich spannen hoch oder weniger / unnd thun sich auff zu blumen / die seind weiß / oder rot / oder mit beyden farben besprengt wie angezeygt / unnd der blettlin so umb den apffel zu ringßumbher steen seind gemeinlich drey oder fünffunndfünfftzig. Die wurtzel ist filtzecht oder zasecht / unnd weißlecht. Die Genßblum wechst übersich anderhalb elenbogen hoch / mit einem zarten stengel. Die bletter seind der kleinen Maßliebin blettern nit ungleich / doch tieffer zerkerfft. Die blum ist auch der blume an dem Maßlieblin / oder aber der Chamillen / gleich / doch vil grösser. Der apffel ist geel / das rädle aber weiß. Die wurtzel ist auch zasecht / unnd etwas schwertzer dann der kleine Maßlieblin.

Statt irer wachsung.

   Die zamen Maßlieblin oder Monatsblümlin pflantzt man fast in allen gärten. Das wild wechst allenthalben auff den heyden / unnd bey den wassern. Die Genßblum aber würt in den wisen gefunden in grosser menge.

Zeit.

   Die zamen Maßlieblin findt man schier durchs gantz jar in gärten / wie das wild auff dem feld / doch am meysten gegen dem früling. Die Genßblum blüet im Meyen fast in allen wisen.

Die natur und complexion.

   Die Maßlieben seind on zweifel truckner natur / das man klärlich auß dem kan abnemen / das sie zu den wunden zeheylen gebraucht werden / unnd das sie wie auch Plinius anzeygt / verzeren unnd zerteylen die kröpff. Darumb jrren die seer so sagen das dise kreüter seind feüchter natur. Nach dem aber das wild etwas saur ist / so hallten wirs darfür das es auch kelte / doch nit seer. Die andern aber alle seind warmer natur / doch mittelmässig / und zerteylen.

Die krafft und würckung.

   Das klein Maßlieblin ist ein recht wundkraut / heylet allerley bläterlin / und die zerbrochnen hirnschalen. Sein safft getruncken ist gut denen so verwundt seind. Die bletter grün zerstossen / unnd auff die hitzigen wunden gelegt / heylet dieselbigen. Die Genßblum ist fürtreffenlich gut zu den lamen glidern / verzeret auch die kröpff / ist gut zu dem Podagra / unnd hüfftwee / dann es zerteylt unnd verzert allerley grobe feüchtigkeyt.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de