Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

Graß (048) vorheriges Kapitel Inhaltsverzeichnis folgendes Kapitel Roßhub (050)
 

Von Aloen. Cap. XLIX.

 

Abbildung Aloen
Aloen ( LXXV )
Abbildung: Seite 161

Deutsch: Aloe, echte
English: Aloe, bitter
English: Aloe, common
Francais: aloès
Latein: Aloe vera

Namen.

A
Loen hat seinen Teütschen namen von dem Griechischen unn Lateinischen / dann es in beyden spraachen würt Aloe genent.

Gestalt.

   Aloe hat fast ein blatt wie der Meerzwibel / dick unnd feyßt / ein wenig breyt / rund / und hindersich gebogen. Die bletter haben zu beyden seiten stachel oder spitzle die seind kurtz / unnd weit von einander gesetzt. Der stengel ist der Goldwurtz mennle genant gleich / deßgleichen auch der sam. Aber die blum ist weiß. Das gantz kraut reucht starck / unnd ist am geschmack bitter. Hat ein einige wurtzel / welch gleich ist einem pfaal der ins erdtrich gesteckt ist.

Statt seiner wachsung.

   Aloen wechst mit grosser menge in India. Es würt auch in Arabia unnd Asia gefunden / unnd würdt auch yetzund an ettlichen orten des Teutschlands gepflantzt in gärten. Doch so vil mir bewüßt / ist es noch keinem zu der volkomenheyt gewachsen / hat auch noch nie blumen gebracht.

Zeit.

   Dieweil wir / wie vor angezeygt / die blumen nie gesehen haben / künnen wir auch niemands gründlich berichten wann es blüe.

Die natur und würckung.

   Des zusamen gerunnen saffts des Aloen / seind zweyerley geschlecht. Der erste ist seer sandecht / und der aller unreynest. Der ander ist on allen sand / glitzerig / ettwas goldfarb / laßt sich auch gern zerreiben / ist zusamen gerunnen gleich als ein leber / und seer bitter. Diser ist der beste / und zeücht zusamen / macht schlaffen / trücknet / treibt zum stulgang / unnd reyniget den magen. Zweyer quintlin schwer mit wasser getruncken stillet das blutspeien. Eins quintlins schwer aber jngenomen / heylet die geelsucht. Mit hönig jngenomen / bringt er den stulgang. Dreyer quintlin schwer jngenome / purgiert er volkomenlich. So Aloen mit andern purgierenden artzneye vermischt würt / so macht es das sie dem magen weniger nachteil bringen / dann es dem magen sonderlich dienstlich und angenem ist. So Aloen würt gedörret / unn in die wunden und schäden gestrewt / heylet sie dieselbigen. In sonderheyt aber ist es dienstlich zu den verserten gemechten / unnd so die vorhaut derselbigen schadhafft unnd zerbrochen ist. So der hinder zerschrunden ist / wo es mit süssem wein vermengt würt übergelegt / heylet es denselbigen. Deßgleichen so die ruckader zuseer geet / stellet es dieselbigen so es übergelegt würdt. Es heylet auch den wurm an den fingern. Mit hönig vermischt / verzeret es das undergerunnen blut. Wann einem die heütlin welche die augen decken etwas rauch unn grindig werden / so es angestrichen würt / miltert es den schmertzen / und heylet das jucken derselbigen. Mit rosenöl unnd essig vermischt / und alßdann an die stirn unnd schlaaff gestrichen / lindert es den schmertzen des haubts. Mit wein vermischt und angestrichen / verhütet es das die haar nit außfallen. Aloen ist auch gut zu den geschwollen mandeln / zanfleysch / unnd allen geschwären / im mund mit wein unnd hönig vermischt / gehalten. Es ist auch ein nützliche artzney zu allerley gebrechen der augen / sonderlich aber zur röte derselbigen. Aloe ist auch ein gut artzney zu allerley rauden der kynen. Mit essig vermischt / stillet es das blut so auß den wunden / und anderßwoher fleüßt.

nach oben

Graß (048) vorheriges Kapitel Inhaltsverzeichnis folgendes Kapitel Roßhub (050)

© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de