Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Weinreben. Cap. XXIX.

 

Abbildung Weinreb
Weinreb ( XLVI )
Abbildung: Seite 112

Deutsch: Weinrebe
Deutsch: Weinstock, echter
English: Vine
English: Grape
English: Grape vine, common
Francais: vigne
Latein: Vitis vinifera

Namen.

W
Einreb würt von den Grieche geheyssen Ampelos oenophoros / von den Lateinischen Vitis vinifera.

Geschlecht.

   On zal findt man Weinreben geschlecht / an welchen auch mancherley art wein wechst / hie on not zuerzelen.

Gestalt.

   Weinreb hat einen stammen der teilet sich in vil äst / seine rinde ist allenthalb zerschrunden / er henckt sich mit seinen langen fäden oder gäblin an die pfäl / an den ruten bringt er bletter die seind breit / an orten zerkerfft unn zerschnitten. Die blust / die etwas wollächtig ist / gat zuringß herumb die frucht. Die trauben seind auß vilen beeren zusamen geheüffet / welchen zu zeiten braun / yetzund aber rotlecht / zu zeiten / und das mehrer teyl / grün seind. Ein yetliche beer / hat jnwendig seine körner und samen.

Statt irer wachsung.

   Die Weinreben wachsen an vilen orten unsers Teütschen lands hauffenweiß / als in Francken / Wirtenberger land / am Reinstrom / und Elsas. Deßgleichen auch in andern landen mehr.

Zeit.

   Der Weinreben blust erzeygt sich am meysten umb die Sonnenwend / und fürnemlich umb S. Medardi tag. Aber im Herbst so bringe sie zeitig trauben.

Die natur und complexion.

   Die natur aller ding so an den Weinreben seind / kan man auß jhrer würckung erkennen / die wir hernach erzelen wöllen. Die trauben die weil sie noch hart und unzeitig seind / külen und trücknen. Nach dem aber sie nun zeitig worden / seind sie warm und feücht im ersten grad.

Die krafft und würckung.

   Die Rebbletter unnd zincken zerstossen / unnd übergelegt / lindern den weetagen des haubts. Mit gersten maltz vermengt / miltern sie die entzündung und die überige hitz des magens. Sölche würckung haben auch die bletter allein unnd für sich selbst übergelegt. Der safft von den blettern jngenommen ist gut denen so die roten rhur haben / blut auspürtzen / unnd einen schwachen magen haben. Auch den weibern die seltzam ding zu essen gelüstet. So man die rebfäden oder zincken in wasser einweycht unnd darvon trinckt / haben sie gleiche krafft und würckung. Das wasser so auß den Reben tropfft / mit wein jngenomen treibt den stein. So mans anstreicht / heylet es geflecht / rauden / unnd allerley grind / doch sol man den ort vorhin mit Salpeter reiben. Gedacht wasser ist auch gut den augen / dann es die gesicht seer scherpfft. Der safft so auß den Rebenzweigen wan sie angezündet werden / gat / vertreibt das har / unnd macht glatt. Die äsch von dem abgeschnitnen Rebholtz / unnd trästern / mit essig angestrichen heylet die blatter unnd runtzel am hindern. Sie ist auch gut mit rosen öl / rautten / unnd essig vermengt / den verruckten glidern. Die trauben weil sie frisch seind gessen / bleet den magen / und macht den bauchfluß. So manß aber auffhenckt unnd ein wenig dürr laßt werden / seind sie dem magen dienstlich / bringen lust zu essen / unnd krefftigen die schwachen. Die träster gesotten unnd getruncken seind gut denen so die roten rhur / unnd den bauchfluß haben. Sie stellen auch der weiber blödigkeit. Weinbeer körner ziehen zusamen / und seind dem magen angenem. So sie gedorret und zerstossen werden und übergelegt / seind sie gut denen so die roten rhur / unnd kein speis behalten. Die kleine weinbeerlin seind dienstlich dem husten / nieren und blasen. So manß im mund hat unnd keüwet / ziehen sie die zähen kalten feüchtigkeyten an sich / unnd reynigen das haubt.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de