Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Wolffswurtz. Cap. XXX.

 

Abbildung Dolwurtz
Dolwurtz ( XLVII )
Abbildung: Seite 114

Deutsch: Einbeere, vierblättrige
English: Paris, herb
Francais: raisin de renard
Latein: Paris quadrifolia
 

Abbildung Wolffswurtz
Wolffswurtz ( XLVIII )
Abbildung: Seite 115

Deutsch: Eisenhut, gelber
English: Wolfsbane, yellow
English: Monkshood
Francais: aconit tue-loup
Latein: Aconitum vulparia

Namen.

W
Olffswurtz würt von den Griechen und Lateinischen Aconitum genent. Die ursachen aber diß namens haben wir in unserm Lateinischen kreüterbuch angezeygt.

Geschlecht.

   Dises krauts seind zweyerley geschlecht. Das erst heyßt auff Griechisch Pardalianches / vonn den gemeynen kreütlern aber zu Latein Uva versa / oder Vulpina / oder Lupina genent. Auff Teütsch Wolffsbeer / unn Dolwurtz. Das ander geschlecht würdt von den Griechen genent Lycoctonum / darum das es die wölff tödt. Daher würt es auch auff Teütsch Wolffswurtz geheyssen. Des andern geschlechts seind auch / wie Dioscorides anzeygt / dreierley geschlecht / einander seer gleich. Under welche gehören auch / die man zu Teütsch Eisenhütlin nennet.

Gestalt.

   Wolffsbeer hat drey oder vier bletter dem Schweinbrot / oder wilder Cucumern nit ungleich / doch kleiner / die seind wie ein stern von einander gesetzt / mitten auß den selbigen wechst ein schöns gestirnts blümlin mit dreierley farben zerteylet / erstlich mit vier schwartz grünen blettlin / darnach acht kleiner geeler strämlin oder härlin / und in der mitte des blümlins sicht man ein gantz purpurbrauns viereckets knöpfflin / wie ein äuglin anzusehen / darauß würt ein schon braun beer / eins wilden / doch süssen geschmacks. Sein stengel ist rund / on alle knöpff / spannen hoch. Die wurtzel ist lang / vergleicht sich einem Scorpion schwantz / ist glat / unn glitzend. Die Wolffswurtz aber hat bletter wie der Wunderbaum zerschnitten / ein yedes blatt mit fünff underscheyden als der Sanickel / unnd farben schwartz grün. Die stengel seind einer oder zweyer elen hoch / die tragen bleichgeele spitzige hütlin / darauß werden klein schotten / in welchen ist schwartzer ecketer samen. Die würtzel seind schwartz mit vilen zaseln / als die Christwurtz.

Statt irer wachsung.

   Wolffsbeer wechst gern in schattechten und dicken wälden / deßgleichen an ettlichen büheln / bey den hecken. Wolffswurtz aber würt in den wilden tieffen tälern / unnd wälden gefunden.

Zeit.

   Wolffsbeer gewindt seine blumen im end des Aprilen / und im anfang des Meyen. Wolffswurtz aber blüet im Meyen / Brachmonat unnd Hewmonat / nach gelegenheyt des jars.

Die natur und complexion.

   Dise kreüter seind einer brennenden natur / fressen umb sich / sollen in den leib nit genomen werden / wie ettlich vermeynen.

Die krafft und würckung.

   Wolffsbeer tödtet die wölff / gleich als die Wolffswurtz / so manß in das rowhe fleysch steckt / und jnen zu essen fürwürfft. Sie tödten auch andere thier so sie von jhnen gessen werden. Unnd wie wol Dioscorides schreibt / man möge die Wolffsbeer zu den weetagen der augen von außwendig brauchen unnd überlege / doch ists besser / man gehe sölcher gifftigen kreüter müssig / es erfordere sie dann ein grosse not zu brauchen. Jhr gebrauch aber mag sein zu tödtung der leüß unnd nissen / so man das kraut / samen / oder wurtzel grün zerstosset / oder gedorrt zu pulver macht / und mit öl vermengt / unnd ein salben darauß macht. Die wurtzel inn wasser oder laug gesotten / unnd das har mit gewäschen / hat gleiche würckung. Es soll sich aber ein yetlicher mit vleiß hüten / das er dise kreüter nit jnnerlich brauch / und in den leib neme / dan sie tödtlich seind / in sonderheyt die Wolffswurtz.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de