Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Aron. Cap. XXII.

 

Abbildung Pfaffenpint
Pfaffenpint ( XXXIX )
Abbildung: Seite 99

Deutsch: Aronstab
English: Starchwort
English: Robin, wake
English: Pint, cuckoo
Francais: pied de veau
Latein: Arum maculatum

Namen.

A
Ron / würt sonst in Teütscher spraach auch Pfaffenpint / unnd Teütscher Jngber genent. In Griechischer aber unnd Lateinischer zungen / würt er Arum unnd Aris geheyssen. Bey den gemeinen kreütlern nent manß auch Pedem vituli. Virile sacerdotis / welcher aller namen ursachen wir genugsam haben angezeygt in unserm Lateinische kreüterbuch / unn ist hie on not dieselbigen zuerzelen.

Gestalt.

   Aron bringt bletter wie Schlangenkraut / doch breyter unn lenger / unn nit so seer mit flecken besprengt. Zwüschen den selbige schleüfft ein stengel herfür spannen lang / welcher ein wenig purpurbraun würt / auff seinem gipffel wechst ein lang spitzig ding / einer hülsen oder getrungen frucht ähr nit ungleich / darinnen als in einer scheyden verborgen ligt ein kölblin / einem mörselstössel seer gleich. Wann sich aber die gedachte scheyde auffthut / welches im Aprilen geschicht / so kan man das kölblin / welchs purpurbraun ist / volkomenlich sehen. Unter dem kölblin wechst har / unn so es abfallet / so besetzt es sich underhalb des hars ringßumbher mit grünen beeren oder körnern / die werden mit der zeit grösser / unnd einer trauben gleich. Im Herbst würt gedacht treüblin rot / als die schönen Corallen. Seine wurtzel ist weiß / erstlich lengelt / einer Oliven gleich / mit vilen harechten zaselen besetzt / darnach aber so die körner zeitig werden / würt sie rund / einem zwibel kopff nit ungleich.

Statt seiner wachsung.

   Aron wechst gern in wälden / hecken / und an schattechten / kalten und feüchten orten.

Zeit.

   Die bletter komen und stechen im Mertzen unnd Aprilen / vast mit den aller ersten kreütern herfür. Im Brachmonat verwelcken die bletter / unnd bleibt allein das nacket treüblin / welchs körner im Hewmonat und Augstmonat grün bleiben / aber im Herbst so werden sie bleichrot.

Die natur und complexion.

   Galenus hat das Aron im ersten grad warm unnd trucken gesetzt. Aber das ist von unserm Aron nit zu verstan / der seer scharpff ist. Dann der selbig on zweifel biß in dritten grad warm und trucken ist. Und ist sölches kein wunder nit / dann der Aron wechst in einem ort schärpffer an der wurtzel / dann an dem andern. Demnach würdt auch sein complexion verwandelt / wie wir nach der leng in unserm Lateinischen kreüterbuch haben angezeigt.

Die krafft und würckung.

   Aron verzeret / macht subtil / und seübert. Darumb ist er gut zu den geschwulsten / in sonderheit der ohren. Die grüne bletter des Aron übergelegt / heilen die alten bösen schäden / unnd fisteln. Dan erstlich seübern sie / darnach aber so heylen sie und trücknen die übrige feüchtigkeit auß. Dergleichen thut auch die wurtzel / dann wo sie gepulvert würt und jngestrewt / so reiniget sie alle unseüberkeit der alten wunden / unnd fürderts zur heylung. Sie vertreibt auch das faule fleisch so in den wunden wechst. Beide bletter unn wurtzel auff die pestilentz blater gelegt / benemen das gifft der selbigen / und heylen sie. Die wurtzel gepulvert unn mit rosen öl vermegt / macht das angesicht sauber. Aron kraut mit der wurtzel in öl gesotten / unnd warm darauff gesessen / heylet die feig blattern. Wann man die auffwerffende käß / in die Aron bletter wickelt / so weichen hinweck die maden / und bleibt der käß gut unnd wärhafftig.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de