Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Haußwurtz. Cap. X.

 

Abbildung Groß haußwurtz
Groß haußwurtz ( XVII )
Abbildung: Seite 63

Deutsch: Dach-Hauswurtz
Deutsch: Hauswurtz, echte
English: Houseleek
Francais: joubarbe grande
Latein: Sempervivum tectorum
 

Abbildung Klein haußwurtz mennle
Klein haußwurtz mennle ( XVIII )
Abbildung: Seite 64

Deutsch: Tripmadam
Deutsch: Mauerpfeffer
Deutsch: Felsen-Mauerpfeffer
English: Tripmadam
English: Stonecrop, rock
Francais: tripe madam
Latein: Sedum reflexum
 

Abbildung Klein haußwurtz weible
Klein haußwurtz weible ( XIX )
Abbildung: Seite 65

Deutsch: Mauerpfeffer, weißer
English: Stonecrop, white
Francais: orpin blanc
Latein: Sedum album
 

Abbildung Katzentreüble
Katzentreüble ( XX )
Abbildung: Seite 66

Deutsch: Mauerpfeffer, scharfer
English: Wall-pepper
English: Stonecrop, common
Francais: poivre de muraille
Francais: pain d'oiseau
Francais: orpin brûlant
Latein: Sedum acre

Namen.

H
Außwurtz nent man auch Donderbar / darumb das man vermeynet wo das kraut auff einem hauß wachse / da möge das wetter keinen schaden thun / noch der blitz unnd donder darin schlagen. In Griechischer spraach würdt es genent Aizoum / in Lateinischer Sedum und Sempervivu / derhalben das es allwegen sommer unnd winter grün bleibt / und von keinem wetter verseert würt. Diser nam ist in den Apotecken bliben.

Geschlecht.

   Der Haußwurtz / wie Dioscorides anzeygt / seind dreierley geschlecht. Das erst würt genent groß Haußwurtz / darumb das es grössere bletter hat dann die andern geschlecht. Das ander nent man klein Haußwurtz. Bey den Griechischen würt es genent Trithales / darumb das im jar dreymal blüet. In Apotecken und bey den gemeynen kreütlern nent mans Vermicularem / darumb das jhre bletter rund seind / einem wurm nit ungleich / und Crassulam minorem. Dises andern aber geschlechts findt man zweyerley / eins mit geelen blumen / welches das mennlin ist. Das ander mit weissen blumen / ist das weiblin. Das dritt geschlecht nent man Katzentreüblin / oder Maurpfeffer / ettlich heyssen es Vermicularem minore / darumb das seine blettlin einem kleinem runden kügelechten würmlin gleich seind.

Gestalt.

   Die groß Haußwurtz bringt ein stengel eines elnbogen hoch / feyßt und dick / jre bletter feyßt / eines daumens dick / und außgespitzt wie ein zünglin / ettlich biegen sich zu der erden / etlich stond gestrack unnd hart ineinander / machen einen circkel anzusehen wie ein aug / oder ein gefüllter stern. Auff den stenglen bringt es braun blumen neben einander gesetzt / die vergleichen sich einer offnen flachßbollen. Klein haußwurtz hat vil klein stengel von einer wurtzeln / voller kleiner / runden / feyßten / und außgespitzten blettlin / einer spannen hoch / die tragen oben geele unn weisse gestirnte blümlin. Das dritt geschlecht der Haußwurtz / genent Maurpfeffer / hat gar kleine blettlin / der gestalt nach dem wilden Burtzelkraut nit fast ungleich / doch mehr eine weytzenkorn gleich / harig / nit so seer spitzig als das ander geschlecht / gewindt auch geele gestirnte blümlin.

Statt irer wachsung.

   Die groß Haußwurtz wechst auff den heüsern / und allten mauren / tächern / und hohen gebirgen. Die klein wechst auch auff den mauren / unnd alten tächern / in den hohen wälden / dergleichen auff etlichen sandigen heyssen feldern und heyden. Das dritt an den steinigen orten bey den wassern / in den gruben / schattechten und sandigen orten.

Zeit.

   Die groß Haußwurtz blüet im Brachmonat und Hewmonat. Die kleine im Meyen und Brachmonat. Deßgleichen auch das Katzentreüblin.

Die natur und complexion.

   Die groß und klein haußwurtz trücknen gar wenig / seind aber kalt im dritten grad. Das dritt geschlecht / wie Dioscorides unnd alle allte bewärte ärtzet anzeygen / ja wie das auch klärlich der geschmack / der do scharpff unnd räß ist / außweißt / ist warmer natur. Und zwar dieweil es genent würt Maurpfeffer / zeygt auch der name gnugsam an / das diß kraut räß sey wie pfeffer. Dieweil es aber an den mauren unnd felsen wechst / so heyßt es derhalben Maurpfeffer. Und kompt sölcher irthumb / on zweifel / daher / das die ungelerten kreütler die kleinen haußwurtz / mennlin genent / von disem Maurpfeffer nit haben künden underscheyden / dieweil sie beyde geel gestirnte blumen tragen.

Die krafft und würckung.

   Haußwurtz beyde groß und klein külen seer / und ziehen zusamen zimlicher weiß. Derhalben seind sie gut zu dem rotlauff / entzündung der augen / brandt / podagra / und geschwär die umb sich fressen / so man jre bletter allein / oder mit gerstenmaltz überlegt. Der safft mit gersten maltz und rosen öl vermengt und angestrichen / benimbt das hauptwee. Der safft getruncken / stellet die rot rhur / unnd den durchlauff oder bauchfluß. Mit wein jngenomen / treibt er auß die runden langen würm. Stellet den frawen jhre kranckheyt / an den heymlichen orten zusich genomen. Das dritt geschlecht Maurpfeffer genent / wermet / zerzert die haut / unnd frißt dieselbigen auff. So man seinen safft mit schmaltz vermengt anstreicht / vertreibt er geschwulst und kröpff. Mich wundert aber seer das die gemeynen kreütler / ja auch ettlich der gelerten ärtzt / disem kraut die würckung der andern haußwurtzen zuschreiben / dieweil es doch scharpff und räß auff der zungen ist / wie oben angezeygt / und derhalben jhre krafft unn würckung zu külen nit haben mag.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de