Leonhart Fuchs Werner Waimann

Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Feigwartzenkraut. Cap. CCCXXXIIII.

 

Abbildung Feigwartzenkraut
Feigwartzenkraut ( CCCCXCVII )
Abbildung: Seite 856

Deutsch: Scharbockskraut
Deutsch: Feigwurz
English: Pilewort
English: Celandine, lesser
Francais: échirette
Francais: petite éclair
Latein: Ranunculus ficaria

Namen.

F
Eigwartzen oder Feigblaternkraut / würdt auch Pfaffenhödlin / Meyenkraut / klein Schölkraut / Scherbockßkraut / Biberhödlin / und Schwalbenkraut genent. Bey den Griechen würt es Chelidonion micron / zu Latein Chelidonium minus geheyssen. In den Apotecken nent mans Scrofulariam minorem.

Gestalt.

   Feigblaterkraut hatt keinen stengel / sonnder kreucht auff der erden. Seine blettlin seind runder / kleiner / zärter / weycher unn feyßter weder die Ephew bletter. Dise wachsen auff kleinen dünnen braunlechten stilen / mit sampt den blumen / welche tottergeel seind / und fast glitzend / anzusehen wie die schönen sternlin. Die wurtzeln seind knöpffecht / und ettlich auß jhnen werden langlecht wie Gersten körner / gemeinlich drey oder vier neben einander mit zaseln / darmit es sich an den grund hefft.

Statt seiner wachsung.

   Feigwartzenkraut wechßt an den feüchten rheynen / in ettlichen wisen und gärten die do feücht seind.

Zeit.

   Diß kraut thut sich zeitlich herfür / nemlichen im ende des Hornungs. Blüet im Mertzen / und fürnemlich umb die zeit wann die schwalben widerumb kommen. Nach dem Meyen verwelckt und verschwindt es widerumb.

Die natur und complexion.

   Diß kreütlin so in unsern landen wechßt / ist etwas scharpff und hitzig / doch nit so seer als Galenus anzeygt : dann so es versucht würdt / hatt es kein sölche scherpffe hinder jm als die alten schreiben / das villeicht des erdtrichs schuld ist / welchs ettwas kellter ist dann in andern landen. Unnd zwar bey uns seind die Feigwartzen kreütlin so an dürren stetten wachsen vil scherpffer / dann so inn feüchten orten gefunden werden / wie wir sölches im Latein mit mehr worten haben angezogen.

Krafft und würckung.

   Der safft auß der wurtzel mit hönig vermischt und in die nasen gethon / reyniget das haupt. Deßgleichen thut auch das kraut mit der wurtzel in wein gesotten / hönig darunder vermischt / und gegurgelt. Das kraut unn wurtzel grün zerstossen und übergelegt / heylt und vertreibt die feigblatern / und kröpff. Sölche krafft hat auch das pulver darauff gesäet.

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