Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Baldrion. Cap. CCCXXX.

 

Abbildung Groß Baldrion
Groß Baldrion ( CCCCXCII )
Abbildung: Seite 848

Deutsch: Zehrkraut
Deutsch: Theriakkraut
Deutsch: Baldrian, Garten-
English: Valerian, garden
English: Valerian, greek
Francais: grande valériane
Latein: Valeriana phu
 

Abbildung Gemein Baldrion
Gemein Baldrion ( CCCCXCIII )
Abbildung: Seite 849

Deutsch: Baldrian, echter
English: Valerian, common
English: Heliotrope, garden
Francais: valèriane (officinale)
Latein: Valeriana officinalis

Namen.

B
Aldrion würdt sonst auch Dennenmarck / Katzenkraut / unnd Augenwurtzel genent / darumb das die katzen die wurtzel dises krauts gern riechen / und jhre augen damit stercken. In Griechischer und Lateinischer spraach würt diß gewechß Phu und Nardus sylvestris geheyssen. Die Apotecker und gemeine kreütler nennens Valerianam.

Geschlecht.

   Des Baldrions seind fürnemlich zwey geschlecht. Das erst würt groß oder edel Baldrion genent. Zu Latein ist sie von ettlichen Theriacaria geheyssen / unn auff Teutsch Triackskraut. Das ander würdt gemein Baldrion und Katzenwurtzel genent. Beyder underscheyd wöllen wir nachvolgends in beschreibung der gestalt anzeygen.

Gestalt.

   Das groß Baldrion hat einen runden holen glatten zarten braunfarben stengel / mit gleychen underscheyden. Die bletter seind erstmals zimlich breyt / wie Wegerich bletter / darnach werdens zerspallten wie des weissen garten senffs / an der farb schweitzergrün. Auff dem stengel gewindt sie schöne schneeweisse blumen / wiewol ehe und sie sich auffthun / erscheinen sie leibfarb zu sein. Der samen nachdem und er zeitig würdt / fleugt darvon / wie der Lattich samen. Die wurtzel ist fingers dick / mit vilen neben angehenckten kleinen zaseln oder wurtzelin / durcheinander und übereinander wie Christwurtzel / aber vil geeler / eines gar lieblichen geruchs. Dise wurtzel verkauffen die weiber an ettlichen orten für Calmus. Der gemein Baldrion ist mit dem stengel dem ersten gleich / allein das er obenauß ecket ist / oder holkelen hat. Seine erste bletter seind gantz schmal / allwegen zwey gegen einander / wie zween flügel / darnach werden sie ettwas runder und breyter / zu ringßumbher zerspallten / an der farb schwartzgrün. Am gipffel der stengel gewindt er seine leibfarbe blume. Die wurtzel aber ist kleiner dann der vorigen / zasecht. Stoßt alle jar newe kleine weisse würtzelin beseytz / darmit sie sich widerumb reyniget.

Statt irer wachsung.

   Der groß Baldrion muß in gärten gezilt werden / dann er in unsern landen nit gemein ist. Der ander wechßt in feüchten awen / wisen / und gräben.

Zeit.

   Der Baldrion blüet den gantzen summer.

Die natur und complexion.

   Baldrion ist warm und trucken im andern grad.

Krafft und würckung.

   Baldrion wurtzel gesotten und getruncken / treibt den harn. Gleiche krafft hat auch das pulver derselben in wein getruncken. Sie stillt den weetagen der seiten. Bringt den frawen jhre zeit. Sie würt under die artzneyen vermischt so man für gifft braucht / darumb ist sie zu der zeit der Pestilentz seer gut / darvon getruncken. Jtem Baldrion wurtzel in wein oder wasser gesotten und in die augen getropfft / macht ein klar gesicht. Sie ist auch treffenlich gut zu den wunden und schäden / dann sie heylet dieselbigen.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de