Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Türckischem Korn. Cap. CCCXX.

 

Abbildung Türckisch korn
Türckisch korn ( CCCCLXXIII )
Abbildung: Seite 817

Deutsch: Mais
English: Corn, Indian
English: Maize
Francais: blé de Turquic
Francais: maïs
Latein: Zea mays

Namen.

D
As gegenwertig gewechß ist auch newlich auß der Türckey / Asia unn Griechen land zu uns gebracht worden / darumb es Türckisch korn genent würdt. Ist zu Latein noch nit anders geheyssen dann Turcicum frumentum.

Geschlecht.

   Der Türckischen korns sind viererley geschlecht. Eins mit braunem / das ander mit rotlechtem / das dritt mit geelem / das vierdt mit weissem korn. Sie haben auch ein underscheyd inn den ähern / welche / wiewol sie alle on spitz seind / blüen sie doch mit mancherley farb / darnach das korn so sie bringen / geferbt ist / eins braun / das ander rot / unn so fort an. Seind sonst einander gleich / darumb wir sie alle under einem gemäl und figur begriffen haben.

Gestalt.

   Das Türckisch korn bringt seer hohe helm oder stengel / welche rund / dick / und gegen der wurtzel braun seind / mit vilen knöpffen oder gewerben. Die bletter seind lang / den scharpffen Ried oder Rhorblettern gleich. Auff den stengeln gewindt es äher die seind on spitz und gantz leer / dann sie darinn keinen samen bringen / die blüen wie der Rocken / yetz braun / yetz rot / weiß oder geel / darnach sie korn bringen. Die korn aber seind dreiecket / und ligen in grossen runden oben außzottechten graßscheyden / welche nach der seiten der helm auß den gewerben wachsen / verschlossen. Es seind auch dise korn hart zusamen getrungen / unnd hat etwan ein scheyd acht zeil / die ander zehen / sellten darüber. Das zottecht har so oben auß den graßscheyden wechßt / hat eben die farb welche das korn hat so darinn verschlossen ist. Die wurtzel ist auß vilen kleinen härlin zusamen gesetzt.

Statt irer wachsung.

   Dise korn seind erstlich / wie vormals gemellt ist / auß der Turckey in unnser land bracht worden. Bekommen gern / darumb sie nun fast gemein seind / und in vilen gärten gezilt werden.

Zeit.

   Das Türckisch korn muß im früling / fürnemlich im Aprillen / gesäet werden. Würt aber erst gegen dem Herbst in unsern landen zeitig.

Die natur und complexion.

   Das Türckisch korn hat on zweifel einerley natur und complexion mit dem Weytzen / wie wir sölchs ursachen haben in unnserm Lateinischen kreüterbuch angezeygt.

Krafft und würckung.

   Wie das Türckisch korn einerley natur hat mit dem Weytzen / also hats auch einerley würckung. Man macht aber auß disem korn über die massen schön weiß meel / unn becht darnach brodt darauß / das macht leichtlich verstopffung. Darumb / wie man sagt / so ist diß korn in der Türckey inn keinem gebrauch zu dem brodt / es sey dann thewre vorhanden / unnd man andere frucht nit haben mög. Der safft auß den blettern sol ettwas kalt sein / darumb jhn vil zu dem rotlauff brauchen.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de