Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Strobildorn. Cap. CCCVIII.

 

Abbildung Strobildorn
Strobildorn ( CCCCLV )
Abbildung: Seite 789

Deutsch: Artischocke, echte
English: Artichoke, globe
English: Cardoon
Francais: artichaut
Latein: Cynara scolymus

Namen.

S
Trobildorn / oder wie etlich ander jn nennen / Cardchoffil / ist ein frembd gewechß von dem Lateinischen name her also geheyssen / dann auff Griechisch würt es Scolymus / zu Latein Strobilus unn Cinara genent. Zu unsern zeiten würt das kraut von etlichen Arocum / von andern Alcocalum / Articocalus und Articoca geheyssen. Daher kompts das von vilen würt Artischock genent.

Gestalt.

   Strobildorn hat grosse bleychgrüne stachelechte unnd zu beyden seiten zerschnittene bletter / mit scharpffen spitzigen dörnen zu ringßumbher besetzt / seer lang. Mitten zwüschen den blettern wechst ein runder stengel / steckens dick / der ist mit etlichen kleinen stachelechten blettern besetzt / und bringt in der höhe einen grossen schönen runden unn seer scharpffen schüpechten distelkopff / schier als die nussen oder zapffen an den Kiffern böumen / die blüen schön purpur oder Violbraun. In disen zeitigen ygels köpffen ligt der weiß graw samen inn weycher wollen verborgen / der vergleicht sich schier dem same des wilden garten Saffrans / so man Cnicum nent. Die wurtzel ist seer lang und groß.

Statt seiner wachsung.

   Strobildorn wechßt nit in unsern landen / man pflantze jhn dann in gärten / ist in kurtzen jaren auß Italia und Franckreich zu uns gebracht worden.

Zeit.

   Strobildorn fahet an zu blüen umb die Sonnenwende / wann die Hewschrecken am aller meysten schreien.

Die natur und complexion.

   Strobildorn ist warm und trucken im andern grad.

Krafft und würckung.

   Die wurtzel des Strobildorns in wein gesotten unn truncken / vertreibt den bösen geschmack des gantzen leibs. Deßgleichen thut sie auch wann sie grün zerstossen würt unn übergelegt. Gesotten wie vormals gemellt und truncken / treibt sie krefftiglich den stinckenden harn. Die bletter / so sie noch zart und jung seind / werden wie Spargen unn andere dergleichen kochkreüter gessen. Die Walhen bereyten auch die öbersten köpfflin wann sie noch jung seind zu der speiß / machen lust und begird zu Eelichen wercken. Die wurtzel zerstossen mit essig / und angestrichen / heylet die rauden und flecht.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de