Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Sesel. Cap. CCCIIII.

 

Abbildung Weiß Hirtzwurtz
Weiß Hirtzwurtz ( CCCCXLIX )
Abbildung: Seite 779

Deutsch: Laserkraut, breitblättriges
English: Lovage, bastard
Francais: laser rude
Latein: Laserpitium latifolium
 

Abbildung Schwartz Hirtzwurtz
Schwartz Hirtzwurtz ( CCCCL )
Abbildung: Seite 780

Deutsch: Hirschwurz
Deutsch: Haarstrang, Hirsch-
English: Fennel, hog
English: Parsley, milk
Francais: herbe aux cerfs
Latein: Peucedanum cervaria

Namen.

S
Esel haben wir dise kreüter genent von dem Griechischen unn Lateinischen namen her / dann in beyderley spraach werden sie Seseli geheyssen. Wie aber ein yedes in sonderheyt bey uns Teütschen genent werde / wöllen wir gleich hernach anzeygen.

Geschlecht.

   Der Sesel seind drey geschlecht. Das erst würt zu Latein Seseli Massiliense geheyssen. In den Apotecken Siler montanu / das ist / berg Sesel. Ist meins erachtens ( dann ichs noch nit hab sehen wachsen / dieweil mir der same / den ich doch zum offtermal gesäet hab / nit hat wöllen auffgon ) das gewechß so ettlich berg Fenchel nennen / darumb das dem Fenchel gleich sicht / und gern in den hohen bergen wechßt. Hab hie sein gestalt nit künden gemalet darthun. Das ander geschlecht Aethiopicum geheyssen / ist das so man zu Teütsch nent weisse Hirtzwurtz / wie sölchs die beschreibung der gestalt außweißt. Das dritt geschlecht des Seseli so Peloponnesiacum genent würdt / ist das kraut so unsere Teütschen schwartze Hirtzwurtz nennen / welches auch augenscheinlich die beschreibung der alten / so sie gegen disem gewechß gehalten würt / aufweißt.

Gestalt.

   Das berg Sesel hat bletter wie der Fenchel / aber dicker. Sein stengel ist auch etwas stercker. Die kron vergleicht sich mit der Dyllen kron / doch sind die bekrönten blumen gantz weiß. Der samen ist lang / ecket / mit vilen fürchlin oder holkelen geziert / am geschmack scharpff unn bitter. Die wurtzel ist lang / eins starcken geruchs. Die weiß Hirtzwurtz hat ein knöpffechten stengel / gar nach wie die Angelick oder Meisterwurtz. Die bletter seind dem Ephew laub änlich / doch kleiner / unn langlechter. Die kron vergleicht sich auch dem Dyllen / aber die gekronten blume seind weiß / wie an dem berg Sesel. Der sam ist dick wie Weytzen / bitter / aber scherpffer / und eines sterckern geschmacks weder des vorigen Sesels. Die wurtzel ist lang und groß / außwendig braunfarb / unn mit grobem langen har / das übersich gegen dem stengel steet / bedeckt. Die schwartz Hirtzwurtz hat ein hohen stengel der etwan manns hoch wechßt / dem Fenchel stengel änlich. Die bletter seind des Wutzerlings bletter gleich / aber breyter und dicker. Am gipffel des stengels bringt sie ein schöne breyte kron vonn weissen blumen. Wann dieselben abfallen / wechßt hernach der samen / welcher breyter ist dann der weissen Hirtzwurtz / dem Dyll samen änlich / eines guten geruchs. Die wurtzel ist außwendig gantz schwartz / und mit har / wie die vorig / übersich gegen dem stengel bedeckt / eins guten geschmacks / schier wie Weyrauch.

Statt irer wachsung.

   Der aller best berg Sesel wechßt umb die statt Massiliam / wie Dioscorides anzeygt / von welcher es auch seinen namen überkommen hat / und Seseli Massiliense genent worden ist. Die weiß Hirtzwurtz würdt in hohen bergen in der wildtnuß funden. Die schwartz Hirtzwurtz an rauhen / doch feüchten orten / und auff den büheln. Ist gemeiner dann die weiß.

Zeit.

   Die Seseln blüen fürnemlich im Hewmonat / und bringen gegen dem Herbst jren zeitigen samen.

Die natur und complexion.

   Die Sesel kreüter seind warm und trucken im andern grad.

Krafft und würckung.

   Der samen und wurtzel der Sesel kreüter gesotten unn getruncken / seind gut zu der harnwinden / denen so gar schwerlich athmen / den frawen so die mutter empor geet / und denen so mit dem fallenden siechtagen beladen seind. Sie bringen den frawen jhre zeit / und treiben auß die todten frucht. Sie seind dienstlich zu allerley innerlichen gebresten / und dem langwirigen husten. Der samen mit wein jngenommen ist gut zu der dewung / vertreibt das grimmen im leib / unn treibt den harn. Er ist auch gut zu fürderung der geburt / den geyssen unnd andern vierfüssigen thieren zu trincken gegeben. Die bletter von dem viech gessen / haben gleiche krafft zu fürdern die geburt.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de