Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Rocken. Cap. CCXCV.

 

Abbildung Rocken
Rocken ( CCCCXXXIX )
Abbildung: Seite 761

Deutsch: Roggen
English: Rye
Francais: seigle
Latein: Secale cereale

Namen.

R
Ocken korn ist nit Siligo zu Latein genent / wie ettlich meynen. Dann nach anzeygung Plinii im xviii. buch / am ix. capitel / so würt auß dem Siligine das lieblichst / zärtest / unnd weissest brodt gemacht. Auß dem Rocken aber würt das aller gemeinst / schwartzest und schwerst brodt gebachen / welchs allein der gemein man unn die armen / zu enthaltung des hungers / gebrauchen. Item Siligo bringt ein äher das steet gestracks übersich / aber des Rocken ähern sehen undersich zu der erden. Darzu so hatt Siligo schöne weisse glatte körner / in vilen sprewern verschlossen / aber des Rocken same oder korn ist schwartz / mit vil fürchlin geziert / unn in wenig hülsen oder spreüwern verschlossen. So hatt auch Siligo an den ähern kein spitzlin / und ist doch des Rocken äher von spitzlin gantz rauch / wie wir dann sölchs weitleüffiger in unserm Lateinischen kreüterbuch haben angezogen. Des Rocken aber rechter name bey dem Plinio ist Secale und Farrago.

Gestalt.

   Rocken hat einen halm dem Weytzen gleich / doch zärter unn lenger / mit scharpfen rhorechten graßscheyden angezogen / an yedem knopff ein besondere. Der knöpff aber werden gemeinlich vier an yedem halm / daher der Rocken höher steigt weder andere frücht. Seine äher werden rauch / steen selten übersich / sonder biegen sich fast allwegen unndersich gegen der erden. Blüet bleychgeel. Der sam ist nit wol in den hülsen verschlossen / darumb würt er schwartz / schmutzig und unliedlich anzusehen.

Statt seiner wachsung.

   Rocken wechßt schier in eim yeden erdtrich / darumb er fast allenthalben gebawt würt in unsern landen / fürnemlich aber im Rieß und Beyerland.

Zeit.

   Rocken würt zwey mal im jar gesäet. Erstlich im Herbstmonat und Weinmonat / bleibt also über winter ein grüner waß / gegen dem früling scheüßt er in seine helm. Würt derhalben winter Rocken geheyssen. Sölcher Rocken zeitiget nach der blust in fünff wochen. Das ander summerkorn säet man im früling mit der Gersten. Werden beyde im Hewmonat jngesamlet.

Die natur und complexion.

   Rocken ist mehr wermer und trückner weder der Weytzen / doch nit so trucken als gie Gersten oder der Dinckel.

Krafft und würckung.

   Rocken ist etwas zäch und schleimerig / darum er leichtlich verstopffung gebiert. Das brodt so auß dem Rocken gemacht würt / in sonderheyt so es nit wol gebeutlet ist / beschwert den magen. Darumb es nur für das gemeine volck / das do arbeytet / und speiß bedarff die wol settiget / sol gebraucht werden.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de