Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Meisterwurtz. Cap. CCXCIII.

 

Abbildung Meisterwurtz
Meisterwurtz ( CCCCXXXVII )
Abbildung: Seite 757

Deutsch: Meisterwurz
English: Masterwort
Francais: imperatoire
Latein: Peucedanum ostruthium

Namen.

M
Eisterwurtz ist on zweifel ein geschlecht des gewechß so vonn den Griechen Silphion / und von den Römern Laser / und Laserpitium genent ist worden. Daher kompts das zu unsern zeiten würdt Osteritium geheyssen / von ettlichen aber Ostritium / von andern Asteritium / welche namen alle / wie auch der name Meisterwurtz / auß dem alten wörtlin Laserpitium entsprungen seind. Und ist sölch kraut / meins erachtens / vor zeiten Laserwurtz genent worden / unnd volgends darauß geflossen der name Meisterwurtz / wie wir sölches im Lateinischen kreüterbuch weitleüffiger haben angezeygt.

Gestalt.

   Meisterwurtz hat einen runden knöpffechten stengel / wie die Angelick / oder der Fenchel / welcher gegen der wurtzel zu / braun ist. Die bletter seind dem Eppich laub etwas gleich / aber vil grösser. Es seind aber auff eim yedem styl drey bletter / und ein yedes blatt mit zweyen oder dreyen schnitten zerspallten / unn außwendig zu ringßumbher mit kleinen kerflin / als ein säg / zerkerfft. Auff den stengeln bringt sie jre kronen / die tragen vil weisser kleiner blümlin / als der Eppich / die werden zu breytem samen / wie der Dyllsamen / grawschwartz / anzusehen wie die wantzen. Die wurtzel ist fingers dick / etwan dicker / fladert und wechßt hin unn her / außwendig grawschwartz / inwendig weiß / eins starcken unn lieblichen geruchs / gibt ein gelen zähen safft / ist seer scharpff / unn brennt auff der zunge.

Statt irer wachsung.

   Die Meisterwurtz würt auff den hohen gebirgen funden / unn yetz fast allenthalben in den gärten gezilet. Das aller best Silphium wechßt in Aphrica / und würdt desselbigen safft zu unsern zeiten in den Apotecken Belzuinum oder Ben Juinum geheyssen / vor zeiten aber ist er Succus Cyrenaicus genent worden. Der safft des Silphü so auß Media und Syria gebracht würdt / heyßt in den Apotecken Asa foetida / das ist / Teüffels dreck / darumb das er so übel stinckt / als het jhn der Teuffel geschissen

Zeit.

   Die Meisterwurtz blüet im Brachmonat / und bringt darnach jren breyten samen / der gestalt ist wie ein kleins blettlin.

Die natur und complexion.

   Die Meisterwurtz ist hitziger und scherpffer dann der Pfeffer / darumb sie warm und trucken sein muß biß in den dritten grad. Die wurtzel aber und der samen übertreffen die bletter und den stengel.

Krafft und würckung.

   Die wurtzel / der samen / kraut unnd safft der Meisterwurtz seind treffenlich nütz und gut wider allerley gifft. Sollen in sonderheyt zu der zeit der Pestilentz wider den vergifften bösen lufft gebraucht werden. Sie zerteylen und verzeren die groben / zähen / kalten flüß im leib. Seind gut zu dem husten der von kellte kompt. Sie verzeren auch die groben feüchtigkeyt so sich umb die brust gesamlet hat. In sonderheyt aber der safft jngenommen / oder von außwendig angestrichen ist gut wider allerley stich und bissz der gifftigen thier. Mit essig vermengt unnd angestrichen / heylet er die flecht. Er ist gut denen so die geelsucht haben / oder wassersüchtig seind / mit dürren feigen jngenommen. So er an dem essen gebraucht würdt / überkompt der gantz leib darvon ein gute farb. Er zerteylt die knollechte milch / unnd das zusamen gerunnen blut / wann man jhn eüsserlich anstreicht. In eim weychen oder lind gesottnen ey jngenommen / sterckt er den magen / macht lust zu essen / treibt den harn / und bringt den frawen jre zeit. Die grünen bletter zerstossen / unn in die wunden so von einem wütenden hund / oder natern gebissen seind / gethon / heylet dieselbigen. Das kraut in wein unn wasser gesotten / heylet die innerlichen wunden. Reynigt auch diser gestalt genützt die muter / und treibt auß die todte frucht. So es dürr würt / ein rauch damit zum offtermal gemacht / vertreibt es allerley wartzen so am hindern gewachsen seind. Der safft mit gekochtem hönig vermischt und angestrichen / ist gut zu dem hüfftwee. In wein jngenommen ist er gut zu bewegung des schweyß / hilfft dem erstorben kalten mann wider auff. Ein halber scrupel darvon jngenommen / ist gut zu dem krampff / und dergleichen kalten gebresten der nerven. Er ist gut zu der kalten lungen / dem keichen / unnd andern dergleichen gebresten der brust. Mit essig und wasser gemischt und übergeschlagen / lindert er das Podagra.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de