Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Stendelwurtz. Cap. CCLXX.

 

Abbildung Stendelwurtz
Stendelwurtz ( CCCCV )
Abbildung: Seite 704

Deutsch: Waldhyazinthe, weiße
English: Orchid, lesser butterfly
Francais: orchis blanc
Latein: Platanthera bifolia

Namen.

S
Tendelwurtz würt bey den Griechen Satyrion Triphyllon / zu Latein Satyrium trifolium geheyssen. Zu unnsern zeiten nennt mans Testiculum vulpis oder sacerdotis / nit on ursach / dann wie es vor zeiten seinen namen von den geylen Satyris hat überkommen / allso ist es volgender zeit von der geylheyt der Pfaffen Testiculus sacerdotis geheyssen worden / das auch die kreüter von jrer boßheyt haben müssen singen und zeügnuß geben.

Gestalt.

   Stendelwurtz hat gemeinlich nur drey bletter / die seind den weissen Gilgen blettern gleich / aber kleiner und ettwas röter. Sein stengel ist nacket / einer elen ungefärlich lang. Am gipffel desselben bringt es weisse blumen / die vergleichen sich beynach den weissen Gilgen blumen / seind aber vil kleiner. Die wurtzeln sind wie zwey runde nüßlin gestalt / außwendig leibfarb / inwendig aber weiß / am geschmack süß / und seer angenem / haben wenig zaseln / unnd ist eine grösser dann die ander.

Statt seiner wachsung.

   Stendelwurtz findt man auff den bergigen wisen / und orten so an der sonnen gelegen seind.

Zeit.

   Die Stendelwurtz blüet fürnemlich im Brachmonat.

Die natur und complexion.

   Die Stendelwurtz / dieweil sie am geschmack süß ist / muß von nöten warm und feücht sein.

Krafft und würckung.

   Die wurtzel dises gewechß in rotem wein getruncken / macht lust unnd begird zu den Eelichen wercken. Der gestalt gebraucht / ist sie gut zu dem krampff der do hindersich zeücht. Plinius schreibt / so einer die underste wurtzel / die do grösser ist / jnneme / gebär er ein knäble. Hergegen wann er die öberst und kleinest brauch / so gebär er ein mägdlin.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de