Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Pastnachen. Cap. CCLXIIII.

 

Abbildung Zam Pastiney
Zam Pastiney ( CCCLXXXIX )
Abbildung: Seite 680

Deutsch: Mohrrübe, rote
Deutsch: Möhre, Garten-
English: Carrot, garden (red form)
Francais: carotte
Latein: Daucus carota ssp. sativus
 

Abbildung Geel Rüben
Geel Rüben ( CCCXC )
Abbildung: Seite 681

Deutsch: Rübe, gelbe
Deutsch: Mohrrübe, gelbe
English: Carrot, garden (yellow form)
Latein: Daucus carota ssp. sativus
 

Abbildung Wilde Pasteney
Wilde Pasteney ( CCCLXCI )
Abbildung: Seite 682

Deutsch: Mohrrübe, wilde
Deutsch: Möhre, wilde
English: Carrot, wild
Latein: Daucus carota

Namen.

P
Astnachen oder Pasteney würdt bey den Griechen Staphylinus / und zu Latein Pastinaca genent. Ursach aber sölches namens haben wir im Latein gnugsam angezeygt.

Geschlecht.

   Der Pastnachen seind zweyerley geschlecht / zam und wild. Der zamen findt man widerumb zweyerley. Eins so yetzund würt Carota geheyssen / welchs ettlich rot Rüben nennen / mag aber füglicher zam rot Pastiney geheyssen worden. Das ander geschlecht ist so von menigklich würt geel Rüben genent / möcht wol zam geel Pasteney geheyssen werden. Das wild geschlecht würt fürnemlich bey den Griechen Staphylinus genent / auff Teütsch aber wild Pasteney.

Gestalt.

   Die zam Pastnachen so man Rot rüben nent / hat einen holen rauhen stengel / mit vilen zweiglin. Seine bletter seind des Körbelkrauts blettern nit seer ungleich. Am gipffel der stengel gewindt sie einen dolden von weissen blumen / auß welchen darnach ein rauher hariger same würt. Die wurtzel ist lang / unnd zu öberst gegen dem stengel braunrot / daher mans rot Rüben nent. Die geelen Rüben haben auch einen holen rauhen stengel / die bletter seind schwartzgrün / gantz zinnelecht / zerteylt als des wilden Körbelkrauts / ein wenig schmeler dann der vorigen Pasteney. Sie bringen auch jre weisse gekrönte blumen / und darnach samen / der ist dem Eniß samen nit ungleich. Die wurtzel ist geel / unn lang.
   Die wild Pastnach ist mit dem rauhen unn harigen stengel den obgenanten gleich. Die bletter seind etwas grösser und rauher dann der vorigen. Seine gekrönte blumen seind weiß / in derselbigen findt man ein besonders eintzigs purpurfarbs knöpffechts blümlin. Der samen ist rauch / harig / gleich als mit kleinen stacheln oder disteln überzogen. Der dold thut sich zusamen / unn macht ein gestalt eins vogelnests. Die wurtzel ist fingers dick / spannen lang / unnd reucht wie die geelen Rüben.

Statt irer wachsung.

   Die roten und geelen Rüben / darvon wir hie schreiben / müssen in gärten gezilt werden. Die wilde Pasteney wechßt allenthalben an den wegen und steinigen orten von sich selbs.

Zeit.

   Die Pastnachen blüen im Hewmonat und Augstmonat / und bringen volgends jren samen.

Die natur und complexion.

   Die zamen Pastnachen wermen unn seubern / doch thut sölchs auch die wild / und mehr dann die zam.

Krafft und würckung.

   Die zamen Pastnachen seind unkrefftiger dann die wild / doch seind sie füglicher und bequemer zu der speiß. Der sam aber aller Pastnachen gesotten unn getruncken / oder in die muter gethon / bringt den frawen jre zeit. Treibt den harn / ist gut den wassersüchtigen / unnd denen so von gifftigen thieren gebissen seind. Unnd so einer zuvor von disem samen jnnimpt / ist er nachmals vor gedachten thiern sicher. Er fürdert zu der geburt. Die wurtzel gesotten unnd getruncken treibt den harn / unn reytzt zu den Eelichen wercken. So man die wurtzel in die mutter thut / treibt sie die todte frucht. Die bletter mit hönig zerstossen und übergelegt / reynigen und heylen die umb sich fressende geschwär. Der samen zerstossen und in wein jngenommen / ist gut den frawen so die muter übersich steigt / unnd legt den schmertzen der muter. Die wurtzel gedörret unnd gepulvert in Meth jngenommen / ist nützlich zu den gebresten der leber / des miltz / der nieren unn lenden. Die geelen Rüben gessen / bringen Lust zu Eelichen wercken / unn seind vil gesunder inn der speiß zu brauchen weder die weissen Rüben / darvon wir oben an jhrem ort gesagt haben.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de