Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Durchwachß. Cap. CCXLIII.

 

Abbildung Durchwachß
Durchwachß ( CCCLX )
Abbildung: Seite 629

Deutsch: Hasenohr, rundblättriges
English: Thorow-wax
English: Hare's-ear
Francais: perce-feuille
Latein: Bupleurum rotundifolium

Namen.

D
Urchwachß ist darumb also genent worden / das seine stengel allesampt geen durch die bletter. Würdt von etlichen geheyssen Bruchwurtz / darumb das diß kraut zu des nabels unnd gemecht brüchen gebraucht würdt. An ettlichen orten heyßt es Stopßloch. Zu unsern zeiten würdt es in Lateinischer spraach Perfoliata genent. Ob aber die allten diß gewechß erkant haben oder nit / und mit was namen sölchs bey jnen geheyssen sey / ist mir noch nit bewüßt.

Gestalt.

   Durchwachß hatt einen runden / dünnen / braunen stengel / mit vilen nebenzweiglin / als ein kleins drausselechts böumlin. Die stengel aller sölcher zweiglin geen durch die rippechten aufferhebten bletter / als weren sie dadurch gezogen. Dieselben bletter seind nit gantz rund / sonder ein wenig gespitzt / den Erbsen blettern nit fast ungleich / doch zärter unn gletter. Am gipffel aller zweiglin wachsen kölblin oder gekrönte grüngeele blümlin / fast wie an der Wolffsmilch / welcher es mit den kölblin gantz gleich sicht. Der samen ist grawschwartz. Die wurtzel schlecht / weiß / und zasecht.

Statt seiner wachsung.

   Durchwachß wechßt gemeinlich von jm selbs auff den Weytzen und Spelten äckern. Würt auch in gärten gepflantzt.

Zeit.

   Durchwachß blüet fürnemlich im Hewmonat / und bringt nachvolgends seinen samen.

Die natur und complexion.

   Durchwachß ist on allen zweifel warmer unnd truckner natur / das man auß dem geschmack / der do ein wenig bitter ist / und zusamen zeücht / wol khan abnemen.

Krafft und würckung.

   Durchwachß ist ein treffenlich gut kraut allerley wunden innerlich und eüsserlich zu heylen / so man die bletter grün zerstoßt und überlegt / oder das gantz kraut / oder den samen allein seudt und trinckt. Man mag auch das kraut und samen gedörrt zu pulver stossen / und darnach jngeben. Die bletter grün zerstossen und mit Wachßwinden / Propolis genent / ein pflaster darauß gemacht unn übergelegt / heylet die brüch der kinder. Durchwachß heylet auch den verserten oder verwundten nabel. Es treibt auch denselben widerumb hindersich / wann er zu fast herauß geet. Darumb sol diß kraut den wundärtzten wol befolhen unn werdt gehalten sein.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de