Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

Zweyblatt (214) vorheriges Kapitel Inhaltsverzeichnis folgendes Kapitel Erven (216)
 

Von Scharlach. Cap. CCXV.

 

Abbildung Scharlach
Scharlach ( CCCXXII )
Abbildung: Seite 567

Deutsch: Salbei, Muskateller-
Deutsch: Scharlachkraut
English: Clary
English: Sage, clary
Francais: toute-bonne
Francais: orvale
Latein: Salvia sclarea
 

Abbildung Wilder Scharlach
Wilder Scharlach ( CCCXXIII )
Abbildung: Seite 568

Deutsch: Salbei, Wiesen-
English: Clary, meadow
English: Sage, meadow
Francais: sauge des prés
Latein: Salvia pratensis

Namen.

S
Charlach würt von den Griechen Orminum geheyssen / deßgleichen auch von den Lateinischen / unnd darzu Geminalis / in den Apotecken Gallitricum. Ursach sölcher namen haben wir zum teyl in unserm Lateinischen kreüterbuch angezeygt.

Geschlecht.

   Des Scharlachs seind zweyerley geschlecht / zam unnd wild. Der wild Scharlach würdt auch wilde Salbey / darumb das ehr der Salbey am stengel / blettern und blumen gleich ist / genent. Beyder geschlecht underscheyd wöllen wir in beschreibung der gestalt klärlich anzeygen.

Gestalt.

   Der zam Scharlach hat einen vierecketen stengel / der ist eines elenbogens ungevärlich lang / von unden auff braun. Seine bletter seind gantz rauch / harig / unn eins starcken geruchs / äschenfarb grün. Die blumen weiß / blawferbig / der Salbey blumen nit unänlich. Nach abfallung der blumen bringt er den samen / welcher schwartz ist unn langlecht / in heüßlin die sehen undersich gegen der wurtzel / welche holtzecht unnd geel ist. Der wild Scharlach ist dem zamen mit stengeln / blettern unnd samen ettwas gleich / dann der stengel ist vierecket / rauch und harig. Die bletter vergleichen sich etlicher maß den Salbey blettern. Die blumen seind himelblaw mit purpurbraun vermischt / gekrümmet wie ein adler schnabel. Der same / welcher rund ist und geel / würt in heüßlin gefunden. Die wurtzel ist holtzecht / und an der farb schwartz.

Statt irer wachsung.

   Der zam Scharlach würdt in den gärten gepflantzt. Der wild wechßt auff ungebawten feldern / und schier allenthalben in den wisen.

Zeit.

   Beyderley geschlecht des Scharlachs blüen im Brachmonat / und bringen alßdann auch jren samen.

Die natur und complexion.

   Die Scharlach seind warm / unnd zimlicher weiß trucken / das man auß dem geschmack kan abnemen / welcher zusamen zeücht und bitter ist.

Krafft und würckung.

   Der same des zamen Scharlachs mit wein getruncken / reytzt zu den Eelichen wercken. Mit hönig vermischt / nimpt er hinweg die dunckelheyt der augen. In wasser gesotten unn übergelegt / verzert er die geschwulst. Gleiche krafft hat auch das kraut / diser gestalt gebraucht. Der wild Scharlach ist zu allen dingen krefftiger dann der zam. Beyderley geschlecht bletter zerstossen für sich selbs / oder in wasser gesotten und übergelegt / ziehen die spreissel unnd dörn auß dem leib. Verzeren und zerteylen allerley geschwulst.

nach oben

Zweyblatt (214) vorheriges Kapitel Inhaltsverzeichnis folgendes Kapitel Erven (216)

© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de