Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Fenchel. Cap. CXCI.

 

Abbildung Fenchel
Fenchel ( CCLXXXIII )
Abbildung: Seite 503

Deutsch: Fenchel, gewöhnlicher
English: Fennel
Francais: fenouil
Latein: Foeniculum vulgare

Namen.

F
Enchel würt auff Griechisch Marathron / zu Latein Foeniculu genent / welcher name inn den Apotecken bliben ist. Sölcher namen ursachen haben wir im Lateinischen kreüterbuch gnugsam angezeygt.

Gestalt.

   Fenchel hat einen runden stengel / inwendig mit luckem marck außgefüllt / der gewindt seine gleych unn knöpff wie das rhor. Etliche derselben stengel werden mannß hoch / mit vil nebenzincken und ästen. Die außwendig schelf oder rinde ist grün. Die bletter seind dem Staubwurtz mennle gleich / aber lenger unnd weycher / eines lieblichen geruchs. Auff den stengeln wachsen kronen die seind breyt und rund / blüen geel. So die blumen vergeen / kompt hernach der same. Die wurtzel ist weiß / lang / und schlecht / und eins süssen lieblichen geruchs.

Statt seiner wachsung.

   Fenchel wechßt allenthalben in gärten do er hin gepflantzt würdt. Kompt auch von jm selber an den ungebawten orten / wie der Dyll.

Zeit.

   Der Fenchel blüet im Brachmonat unnd Hewmonat / ja fast den gantzen summer biß in Herbst hinein. Bleibt über winter unn verdirbt nit bald / also das wol ein Fenchelstock zehen oder eylff jar unversert bleiben sol.

Die natur und complexion.

   Fenchel ist warm im dritten grad / unnd im ersten trucken. Ursachen haben wir im Latein angezeygt.

Krafft und würckung.

   Fenchelkraut gessen macht vil milch / deßgleichen thut auch der sam in wein gesotten und getruncken. Das kraut gesotten und übergelegt ist nützlich unn gut zu allerley gebresten der nieren und blasen / treibt den harn / hilfft denen so von schlangen gebissen seind worden. Bringt den frawen jre zeit. Deßgleichen thut auch der same. Die wurtzel zerstossen / und mit hönig vermischt übergelegt / hilfft denen so von wütenden hunden gebissen seind. Der safft vom kraut unn stengel außgetruckt / ist gut den trüben augen abends und morgens darin gethon. Vertreibt auch den starn der newlich hat angefangen. Diser safft inn die ohren gethon / tödt die würm darinn. Den safft mag man also samlen / nimm das kraut / die blust / oder den grünen unzeitigen samen / zerstoß die unn trucke den safft herauß / dörre jn darnach an der sonnen / und heb jn vleissig auff / ist ein köstlich artzney zu den finstern augen. Der samen gesotten und getruncken krefftiget den schwachen magen / und legt das unwillen. Er ist auch treffenlich gut der lungen und der lebern. Miltert das grimmen im leib. Die wurtzel in wein gesotten unn getruncken / ist den wassersüchtigen / unnd denen so den krampff haben seer dienstlich. Das kraut dermassen gesotten und getruncken / treibt den stein. Es mehret den natürlichen samen. Verzert das undergerunnen blut.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de