Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

geel / braun / und weiß Veiel (174) vorheriges Kapitel Inhaltsverzeichnis folgendes Kapitel Wintergrüen (176)
 

Von allerley Mengelwurtz. Cap. CLXXV.

 

Abbildung Mengelwurtz
Mengelwurtz ( CCLIX )
Abbildung: Seite 465

Deutsch: Ampfer, stumpfblättriger
English: Dock, broad-leaved
Francais: patience sauvage
Latein: Rumex obtusifolius
 

Abbildung Münch Rhabarbarum
Münch Rhabarbarum ( CCLX )
Abbildung: Seite 466

Deutsch: Ampfer, Garten-
Deutsch: Mönchsrhabarber
Deutsch: Spinat, englischer
English: Dock, broad-leaved
English: Patience
Francais: oseille épinard
Francais: patience
Latein: Rumex patientia
 

Abbildung Guter Heinrich
Guter Heinrich ( CCLXI )
Abbildung: Seite 467

Deutsch: Heinrich, guter
Deutsch: Guter Heinrich
English: Henry, good king
English: Mercury
English: All-good
Francais: épinard sauvage
Francais: bon-Henri
Latein: Chenopodium bonus-henricus
 

Abbildung Saur Ampffer
Saur Ampffer ( CCLXII )
Abbildung: Seite 468

Deutsch: Sauerampfer, großer
English: Dock, sour
English: Sorrel
English: Dock, sorrel
Francais: oseille (commune)
Latein: Rumex acetosa

Namen.

M
Engelwurtz würdt von den Griechen Lapathon / zu Latein Rumex / in den Apotecken Lapatium genent. Ursach dises namens haben wir in unnserm Lateinischen kreüterbuch weitleüffig erzelet / hie on not zu erholen.

Geschlecht.

   Der Mengelwurtz seind fürnemlich vier geschlecht. Das erst geschlecht hat vil namen / dann es würt Grindtwurtz / Zitterßwurtz / Streiffwurtz / wilder Ampffer / unnd in sonderheyt Mengelwurtz von unsern Teütschen geheyssen. Die Griechen nennen es Oxylapathon / die Lateinischen Rumicem acutam / die Apotecker Lapatiu acutum. Das ander geschlecht ist die zam Mengelwurtz / das wöllen die Barfüsser Münch Rhabarbaru deüten / das es doch in keinen weg ist / darumb habends wir Münch Rhabarbarum genennt / sol aber Rumex hortensis / das ist / zam Mengelwurtz / wie angezeygt / geheyssen werden. Galenus nent es Hippolapathum umb seiner grösse willen. Das dritt geschlecht würt allenthalben Guter Heinrich genent. Das vierdt Saurampffer geheyssen / würt bey den Griechen und Lateinischen Oxalis / in den Apotecken Acetosa genent.

Gestalt.

   Streiffwurtz hat einen runden / doch rippechten / knöpffechten / holen unnd braunen stengel. Die bletter seind hert / oben gantz spitzig wie ein spieß. In der höhe der stengel bringt sie vil kleiner bleychgeeler blümlin neben einander. Wann dieselbigen braun werden / findt man dreyecketen samen in dünnen heütlin verschlossen / der hangt an seer kleinen stylen. Die wurtzel ist geel. Die zam Mengelwurtz / oder das Münch Rhabarbarum / ist der Streiffwurtz nit seer ungleich / doch in der erste wann es herfür kompt / würdt es vil röter mit bletlin und stengeln / ist auch vil grösser mit stengel unn bletter dann die wild. Der zamen bletter / die erstmals braunrot seind unn jngewicklet / thun sich auff / unn werden schön grün / seer breyt. Die rippechten stengel aber werden etwan zweyer oder dreyer elen lang. Die blümlin bleychgeel / gantz drausselecht neben einander. Der samen dreyecket wie an der Streiffwurtz. Die wurtzel ist grösser / zärter / unnd geeler dann an der wilde. Das dritt geschlecht Guter Heinrich genent hat bletter zum teyl dem Saurampffer oder Aron gleich / zum teyl dem Wegerich / am angriff weych. Der stengel ist niderer dann an den andern / an demselbigen wachsen vil braunlechter blümlin und volgends der samen / zusamen getrungen wie ein getrungener spitziger traub der do anfacht zu blüen. Die wurtzel ist groß / lang / und geel. Saurampffer hat bletter die seind dem Guten Heinrich änlich / doch schmeler unn kleiner / anzusehen wie die kleine spießeisen / am geschmack halb essigsaur / daher es seinen namen hat. Der stengel ist zart und nit so groß als an den vorigen dreyen. Am öbersten derselben wachsen gantz kleine braunrote blümle / auß welchen entspringt der braun dreyecket sam. Die wurtzel ist auch geelfarb.

Statt irer wachsung.

   Streiffwurtz oder wild Mengelwurtz wechßt von jr selbs in den feüchten gärten / lachen / sümpffen unn gruben. Das zam muß in gärten gepflantzt werden. Der Gut Heinrich würt allenthalben an den ungebawten orten / in den dörffern / hinder den zeünen / auff den allten hofstetten / unn neben den strassen gefunden. Der Saurampffer wechßt in allen wisen und graßgärten.

Zeit.

   Die Mengelwurtz wild und zam blüen im Brachmonat / wie auch der gut Heinrich und Saurampffer.

Die natur und complexion.

   Die Mengelwurtz ziehen zusamen / und verzeren / haben also ein vermischte natur in der werm und kelte / trücknen aber auß.

Krafft und würckung.

   Die bletter aller Mengelwurtz gekocht wie andre grüne kreüter / machen ein linden bauch unn stulgang. So sie aber row zerstossen mit rosenöl oder saffran werden übergelegt / verzeren sie die geschwulst. Der sam des Guten Heinrichs / der Streiffwurtz und Saurampffer / in wasser oder wein gesotten unn getruncken / heylet die roten rhur / stellet den bauchfluß / das grawen / und ist gut denen so von einem scorpion gestochen seind. Wann einer sölchen tranck zuvor nimpt / ist er sicher das jm sölches stechen nit schadet. Die wurtzeln der Mengelwurtz row mit essig zerstossen unn angestrichen / heylen allerley rauden / grind / und unsauberkeyt des leibs. Gedachte wurtzel gesotten / unn sich darnach drob gebäet / seind gut für das jucken und kratzen. In wein gesotten und im mund gehalten / legen sie den schmertzen der zän / und der ohren / darinn gethon. Dermassen gesotten und übergelegt / zerteylen unn verzeren sie die kröpff und ohrmützel. Mit essig aber übergelegt / verzere sie das geschwollen miltz. Etlich sagen es sollen die wurtzel gut sein wider das wachsen der kröpff / so mans nur an hals hencke. Die wurtzel zerstossen unn über die muter gelegt / stellen der weiber fluß. In wein gesotten und getruncken / seind sie gut zu der geelsucht. Sie zermalen den stein in der blasen. Bringen den frawen jre zeit. Die wurtzel der zamen Mengelwurtz gedörrt unn gepulvert / eins quintlin schwär in einer brüe morgens nüchter jngenommen / purgiert und treibt auß durch den stulgang die gallen unn zähen schleim vor andern geschlechten. Ist demnach fürtreffenlich gut den geelsüchtigen diser gestalt genossen. Die bletter in wein gesotten und truncken haben gleiche krafft / wie auch der andern Mengelwurtz. Und ist darumb nit darfür zuhalten das diß Münch Rhabarbarum das recht sey / wie ettlich einfeltige und unverstendige meynen.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de