Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von wild Bingelkraut. Cap. CLXVIII.

 

Abbildung Wild Bingelkraut
Wild Bingelkraut ( CCXLIX )
Abbildung: Seite 448

Deutsch: Bingelkraut, Wald-
English: Dog's mercury
Francais: mercuriale des bois
Latein: Mercurialis prennis

Namen.

D
As wild Bingelkraut würt auff Griechisch Cynocrambe genent / oder Cynia / oder Linozostis agria / zu Latein Canina brassica / und sylvestris Mercurialis. Etlich heyssen diß kraut auff Teütsch Hundßköl nach dem Griechischen namen.

Geschlecht.

   Des wilden Bingelkrauts seind auch wie des zamen zwey geschlecht / mennle unn weible. Haben keinen underscheyd dann allein im samen / welcher am mennle ist zwey runder körnlin / als zwey hödlin. Am weible aber ist er nach zusamen getrungen / wie die kleinen treublin.

Gestalt.

   Das wild oder wald Bingelkraut gewindt einen stengel nit vil über spannen hoch / der ist zart / unn weißlecht. Die bletter seind dem zamen Bingelkraut gleich / doch ein wenig grösser / und gleychß weit von einander. Der sam am mennlin zwüschen den blettern / seind zwey runde körnlin / als zwey hödlin neben einander / in kleinen heütlin verschlossen. Aber am weible ist er gantz drausselecht wie die kleinen treublin bey einander an einem kleinen style / das wechßt zwüschen den blettern herauß. So die zeitig werden / springt der rund blawfarb same herauß. Die wurtzel ist gantz zasecht und fladert hin und wider.

Statt irer wachsung.

   Die wilden Bingel wachsen fürnemlich inn den wälden. Werden zu zeiten auch auff den hohen bergen neben den zeünen und hecken gefunden.

Zeit.

   Wild Bingelkreüter blüen im Aprillen / unnd bringen frucht oder samen im Meyen.

Die natur und complexion.

   Die wilden Bingelkreüter / dieweil sie am geschmack kein underscheyd haben von den zamen / seind sie einerley natur und complexion.

Die krafft und würckung.

   Die wilden Bingel wie andere grüne kreüter gessen / lindern den stulgang. In wasser gesotten und getruncken / purgieren sie unnd treiben auß die gallen / und das wasser im leib. Und in summa / haben alle würckung der zamen / von welchen wir hernach schreiben wöllen.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de