Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Gersten. Cap. CLXVI.

 

Abbildung Grosse Gerst
Grosse Gerst ( CCXLVI )
Abbildung: Seite 443

Deutsch: Gerste, Winter-
Deutsch: Gerste, mehrzeilige
English: Barley
Latein: Hordeum vulgare
 

Abbildung Kleyne Gerst
Kleyne Gerst ( CCXLVII )
Abbildung: Seite 444

Deutsch: Gerste, zweizeilige
English: Barley, two-rowed
Francais: orge distique
Latein: Hordeum distichon

Namen.

G
Ersten würt auff Griechisch Crithe / zu Latein Hordeum geheyssen / welchen namen die Apotecker behalten haben. Ist bey den alten seer inn der speiß gebraucht worden / fürnemlich aber bey den schwertfechtern / die man derhalben / wie yetzund die Studenten / als Plinius schreibt im xviii. buch / am sibenden Capitel / hat Gersten fresser genent.

Geschlecht.

   Der Gersten findt man zweyerley geschlecht / gros und klein. Die groß hat grosse kolbechte ähern / ein yeder kolb aber ist mit zeilen besetzt / ettlicher mit vieren / etlicher mit sechsen / und etlicher mit acht zeilen / derhalben würt sie bey den Griechen Polystichum geheyssen. Die klein Gerst ist nur mit zweyen zeilen besetzt / darumb würdt sie von den Griechen Distichum genent. Seind sonst beyde einander gleich.

Gestalt.

   Gersten hat ein halm wie der Weytzen / doch nit so krefftig / unn kleiner / mit fünff / sechs / unn zu zeiten mehr gleych oder knode. Die bletter an dem halm seind schlecht / rauch / und breyt. Steigt on alle blust in die äher / und bringt jre körner in rauhen heütlin verschlossen. Jre spitz an den ähern seind scharpff. Die wurtzel ist zasecht.

Statt irer wachsung.

   Gersten wachßt gern in feyßtem erdtrich.

Zeit.

   Am sibenden tag nachdem die Gerst gesäet ist / kreucht gemeinlich der keymen herfür / also das ein yedes Gersten korn zween keymen gewindt / an yeder spitze eine. Der erst bringt die wurtzel / der begert undersich / der ander den halm. Sie würt aber zeitig jngesamlet im Augstmonat.

Die natur und complexion.

   Gersten külen und trücknen im ersten grad.

Die krafft und würckung.

   Die Gerst neeret weniger dann der Weytz. Gersten meel mit Feigen in hönig gesotten und übergelegt / zerteylt und verzert geschwulst und geschwär. Es erweycht mit bech / hartz / unn dauben kat vermischt / allerley herte geschwulst. Mit welschem Steinklee und Magsamen kolben über die seiten gelegt / legt es den schmertzen derselbigen. Mit Lein samen / Foenograeco / und Rauten vermengt und übergeschlagen / vertreibt die bläst und wind im bauch. Es machet zeitig die kröpff mit weychem bech / öl / wachß / unn eins jungen kinds harn vermischt / und wie ein pflaster übergelegt. Mit rotem wein / oder holtzbirn / oder Brombeeren / oder schelfen vom Granatöpffel vermischt / und übergelegt / stellt es den bauchfluß. Mit Kütten / oder essig vermengt / unn übergeschlagen / ist es nützlich dem hitzigen Podagran. In scharpffem essig gesotten / ein müßlin darauß gemacht / und warm übergelegt / ist gut zu den aussetzigen. Mit essig vermengt unn übergelegt ist es gut zu den flüssen die in die gleych gon. Gersten mit Fenchel samen gesotten unnd getruncken / mehret unnd bringt den weibern die versigene milch wider. Mit hönig und essig vermischt / vertreibt sie die roßmucken under dem angesicht. Gersten meel mit essig vermengt und warm übergeschlagen / ist gut zu den verzuckten glidern.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de