Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

Pflaumen (153) vorheriges Kapitel Inhaltsverzeichnis folgendes Kapitel HundŖzungen (155)
 

Von WŁeterich. Cap. CLIIII.

 

Abbildung WŁterich
WŁterich ( CCXXVIII )
Abbildung: Seite 414

Deutsch: Schierling, gefleckter
English: Hemlock, poison
Francais: ciguŽ
Latein: Conium maculatum

Den stinckenden Wüterich nent man auch Wutzerling /.

W
Untschirling / oder schlecht Schirling. Aber sein rechter name ist Wüterich / dann er gantz schedlich ist und tödtlich so man jn isset / unn derhalben für einen rechten Wüterich und Tyrannen geachtet würt. Bey den Griechen ist sein nam Conion / bey den Lateinischen Cicuta.

Gestalt.

   Wüterich hat einen stengel mit vil knoden oder gleychen / etwan siben schuch lang / nit ungleich des Fenchels stengel / inwendig hol. Die bletter seind dem wilden Körffelkraut gleich / schwartzgrün / zinnelecht / zerspallten mit vilen schnitten / und eins starcken stinckenden geruchs. In der höhe gewindt er vil nebenzweiglin / die tragen weisse gekrönte blumen / wie der Eniß. Der samen ist auch dem Eniß nit unänlich / doch weisser / und eins bösen geschmacks. Die wurtzel ist nit lang / und inwendig hol.

Statt seiner wachsung.

   Das kraut Wüterich wechst gern allenthalben / in sonderheyt an ungebawten orten / hinder den zeünen / an den külen und schattechten stetten.

Zeit.

   Wüterich blüet im Hewmonat / und bringt alßdann seinen samen.

Die natur und complexion.

   Der Wüterich kület über die massen seer / also das er umb seiner grossen kellt willen ein gifftig kraut ist / unnd soll inn den leib nit genommen noch gegeben werden.

Die krafft und würckung.

   Das kraut Wüterich würdt / wie yetzund angezeygt / under die gifft gezelt. So es aber auß mißverstand von einem würde gessen / wie sich dann zu zeiten begibt / so kan man sölchem menschen mit gutem wein zu hilff kommen. Es würt aber ein safft auß dem obersten gipffel / ehe unnd er samen bringt unnd die bletter verwelcken / getruckt unnd gesamlet / den man darnach an der sonnen laßt dick werden / das man jhnen gebrauch inn der artzney eüsserlich / zu legung und linderung der schmertzen / zu külen alle hitzige gebresten / als ist der rotlauff / tüchlin darinn genetzt unnd übergeschlagen. Es hat der Wüterich sonst auch vilerley gebrauch inn der artzney / die beyde Dioscorides unnd Plinius anzeygen / nemlich zu den brüsten / das er den seügenden weibern die milch vertreibe / aber es ist mißlich und gefärlich darmit umb zugeen / unn bringt nach sich vil unrath und mercklichen schaden / darumb ist vil besser man gee sein in disem fal müssig. Und zwar Galenus und andere Griechen haben von seinem gebrauch nichts geschriben / sonder darbey lassen bleiben das diß kraut ein gifft sey.

nach oben

Pflaumen (153) vorheriges Kapitel Inhaltsverzeichnis folgendes Kapitel HundŖzungen (155)

© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de