Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

Ringelblumen (143) vorheriges Kapitel Inhaltsverzeichnis folgendes Kapitel klein Tausentgulden (145)
 

Von Benedictenwurtz. Cap. CXLIIII.

 

Abbildung Garten Benedictenwurtz
Garten Benedictenwurtz ( CCXV )
Abbildung: Seite 392

Deutsch: Nelkenwurz, echte
English: Avens, wood
English: Bennet, herb
Francais: benoîte
Latein: Geum urbanum
 

Abbildung Wild Benedicten wurtz
Wild Benedicten wurtz ( CCXVI )
Abbildung: Seite 393

Deutsch: Nelkenwurz, Bach-
English: Avens, water
Latein: Geum intermedium

Namen.

D
Ie Benedictenwurtz nent man zu unsern zeiten Garyophyllatam / von wegen des gute negelins geruch / welcher in der wurtzel dises krauts gefunden würt. Wie sie aber bey den allten geheyssen sey / und ob sie jnen auch bekant gewesen / ist man noch nit gewiß.

Geschlecht.

   Wir haben der Benedictenwurtz zweyerley geschlecht war genommen. Das erst haben wir in gärten gefunden / ist vil zärter in den blettern / blumen / und hasenpfätlin / dann das ander so an ungebawten orten wechst / welches blum nit allein grösser / sonder auch saffrangeel ist. Dann der ersten blum ist bleychgeel / wie dann sölches das gemäl klärlich anzeygt. Darumb haben wir das erst Garten und Heymisch Benedictenwurtz genent / das ander aber Wild Benedictenwurtz. Sonst erzelen andere noch ein geschlecht der Benedictenwurtz / das ist mit stengel / blettern und samen den yetzerzelten kreütern gantz gleich. Aber dieweil ein underscheyd ist an den blumen / welche den holen braunen leibfarben schellen oder Cymbalen gleich ist / unn wurtzel / die lang / schlecht / on zaseln und on geruch ist / halt ichs für kein geschlecht der Benedictenwurtz.

Gestalt.

   Benedictenwurtz hat einen stengel der ist anderhalb elen hoch / harig / unnd rund / welcher tregt gemeinlich drey bletter / die seind zu ringßumbher zerkerfft / rauch und schwartzgrün / an einem langen styl. Die undern bletter seind etwas runder und grösser dann die öbersten. Ein yedes gleych am stengel umbgeben zwey oder drey kleine blettlin. In der mitte facht das kraut an sich in ettlich äste zuteylen / an welcher gipffel wachsen bleych oder saffrangeel blume. So dise abfallen würt ein harig köpfflin darauß / der gestalt nach eim hasenpfätlin gleich / das ist der same. Die wurtzel ist inwendig rotfarb / mit vilen geelen zaseln die außwendig daran hangen / reucht wie Negelin.

Statt irer wachsung.

   Die erst würt in den gärten gepflantzt / darinn sie etwas zärter würt dann die wild / welche fast allenthalben an den schattechten orten / bey den zeünen und hecken wechst.

Zeit.

   Blüen beyde im Meyen und Brachmonat.

Die natur und complexion.

   Benedicten wurtzel seind warm und trucken im andern grad / wie wir im Latein weitleüffiger bewärt haben

Die krafft und würckung.

   Die Benedicten wurtzel haben vilerley gebrauch. Ettlich seubern dise wurtzel vom kat / dörrens / unn besprengens mit essig / legens also in die kisten und truhen zu den kleydern das sie wol darvon schmecke. Dise wurtzel in wein gesotten unn also warm getruncken / sterckt die dewung des magens / unn stillt das grimmen im leib. Sie eröffnet der gestalt gebraucht die leber / verzert den zähen schleim der sich umb die brust gelegt und gesamlet hat. Dise wurtzel gedörrt und zu pulver gestossen / darnach in wein jngenommen / ist gut wider allerley gifft. Benedicten wurtzel gesotten unnd getruncken / heylet alle innerliche wunden. Die außwendigen / so sie mit disem wein oder wasser darinn die wurtzel gesotten ist / gewäschen werden. Der dampff von der gesotten wurtzel in wein / zu sich vonn unden auff genommen / oder die wurtzel also warm übergeschlagen / bringt den frawen jhre zeit.

nach oben

Ringelblumen (143) vorheriges Kapitel Inhaltsverzeichnis folgendes Kapitel klein Tausentgulden (145)

© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de