Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Kütten. Cap. CXL.

 

Abbildung Küttenbaum
Küttenbaum ( CCXI )
Abbildung: Seite 384

Deutsch: Quitte, echte
English: Quince
English: Quince, common
Francais: cognassier
Latein: Cydonia oblonga

Namen.

D
Ie Kütten werden auff Griechisch unnd Lateinisch Cydonea und Cotonea genent. Ursachen sölcher namen haben wir in unserm Lateinischen kreüterbuch angezeygt.

Geschlecht.

   Der Kütten seind zweyerley geschlecht. Ettlich derselbigen seind rund / klein / und eins guten geruchs. Die anderen seind grösser / süsser / unn nit so herb. Die ersten seind die rechten Kütten / Cotonea geheyssen / die andern aber Struthea.

Gestalt.

   Der Küttenbaum ist dem öpffelbaum nit seer ungleich / allein das er nit so groß würt / dann die frucht truckt den baum nider / und laßt jn nit übersich wachsen. Sein blatt ist ettwas schmal / und gegen der erden weißlecht. Die blust purpurfarb mit weiß vermischt. Die Küttenöpffel ehe und sie zeitig werden / seind grün / darnach geel / mit weisser oder grawer wollen überzogen / und mit holkälen underscheyden / eins lieblichen geruchs.

Statt irer wachsung.

   Kütten wachsen hin unnd wider inn gärten dohin mans pflantzt / doch lieben sie kallte und feüchte stett / auch die so in der ebne oder an den tälern ligen.

Zeit.

   Die Kütten blüen langsam / unnd seind schier die letzsten under den beumen die blüen / darumb jhre frucht auch gantz spat im Herbst zeitig würt.

Die natur und complexion.

   Kütten seind herb unnd ziehen seer zusamen / derhalben külen sie im ersten grad / und trücknen im andern.

Die krafft und würckung.

   Kütten seind dem magen dienstlich. Die rowen Kütten seind gut zu dem bauchfluß / denen so die roten rhur haben / unnd blut speien. Kütten in wasser gesotten unn übergelegt treiben die muter so auß dem leib geet wider hindersich. Küttenschnitz in hönig gesotten / oder mit hönig jngemacht / treiben den harn / unn ist derselbig hönig dem magen seer dienstlich. Auß den rowen Kütten macht man ein pflaster / die ist gut übergelegt denen so das bauchlauffen haben / zu der hitz und dem überwerffen des magens. Kütten blumen grün und dürr in wein truncken / seind nützlich den hitzigen augen / denen so blut speien / den bauchfluß haben / und den frawen die zuvil fliessen. Die wolle so auff den Kütten wechst in wein gesotten unnd übergelegt / heylet die Carbunckel. Bringt auch das har wider denen so es außfelt. Kütten nach dem essen und trincken gebraucht / verhüten das die dünst nit ins haupt übersich steigen. So die schwangern weiber offt Kütten essen / sollen sie sinnreiche und geschickte kinder geberen. Under den Kütten seind die besten so klein / rund / unn eins guten geruchs seind. Die kochten Kütten seind milter und lieblicher in der speiß zu brauchen / und ziehen auch nit so seer zusamen als die rowen.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de