Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Betonick. Cap. CXXXII.

 

Abbildung Betonick
Betonick ( CXCVII )
Abbildung: Seite 361

Deutsch: Ziest, Heil-
Deutsch: Betonie, echte
Deutsch: Ziest, echter
English: Betony, purple
English: Betony, Bishop's wort
Francais: bétoine
Latein: Betonica officinalis

Namen.

B
Etonick oder Bethonien würt auff Griechisch Cestron / zu Latein Vetonica oder Betonica genent / welchen namen sie auch in den Apotecken biß auff dise zeit behalten hat. Ursach aber sölcher namen findt man in meinem Lateinischen kreüterbuch.

Geschlecht.

   Es werden der Bethonien gleichwol zwey geschlecht gefunden / dann eine mit weissen / die ander mit braunen blumen gefunden würt. Haben sonst keinen underscheyd / weder mit wurtzel / blettern / stengeln / ähern / noch samen.

Gestalt.

   Betonick hat einen vierecketen / rauhen / elen langen stengel. Die bletter seind lang / weych / schwartzgrün / breyt / ettlicher maß dem Eychen laub gleich / zu ringßumbher zerkerfft / gleich einer sägen / eines lieblichen geruchs. Dise bletter seind auch gegen der wurtzel grösser dann oben am stengel. Am gipffel des stengels gewindt sie ein köpfflin wie ein äher / darauß schlieffen jhre blumen / deren ettlich gantz braun / die andern gantz schneeweiß seind. Nach der blust findt man den schwartzen langen ecketen same / in den löcherigen ähern. Die wurtzel ist rotlecht und zasecht / fast wie an der weissen Nießwurtz.

Statt irer wachsung.

   Die braun Betonick wechst gern in wisen / wälden / bergigen / kallten unnd finstern orten. Die weiß ist seltzam / würdt inn ettlichen wälden gefunden / in sonderheyt aber umb Rotenburg am Necker wechst sie an vil orten.

Zeit.

   Betonick blüet im Brachmonat und Hewmonat fürnemlich.

Die natur und complexion.

   Betonick kreüter seind warm unnd trucken im ersten grad volkommenlich / oder im mittel des andern grads.

Die krafft und würckung.

   Die wurtzel zu pulver gestossen / unnd mit Meth getruncken / reytzen zu speien / und treiben oben herauß den zähen schleim. Die bletter gedörret haben einen grossen brauch in der artzney. Ein quintlin derselbigen inn Meth jngenommen ist dienstlich denen so den krampff haben / unnd wider alle gebresten der mutter / inn sonnderheyt aber für das auffsteigen derselbigen. Drey quintlin des krauts oder bletter dermassen in wein jngenommen / seind nützlich denen so von schlangen und natern gebissen werden. Das kraut auch übergeschlagen ist dienstlich denen so von gifftigen thiern gebissen seind. Ein quintlin darvon in wein jngenommen unnd getruncken / ist gut wider allerley gifft. So einer Betonick zuvor jnnimpt würt jhm kein gifft künden schaden. Sie treibt den harn / und bricht den stein in den nieren. Reynigt die lungen / brust / und leber. Bringt den frawen jhre zeit / und ist in sonderheyt gut denen so die fallenden sucht haben / in wasser gesotten unn getruncken. Lindert den stulgang mit Meth getruncken vier quintlin schwär. Sterckt die dewung so einer nach dem nachtmal einer bonen groß mit gesottnem hönig jnnimpt. Dergleichen soll es auch gebraucht werden von denen / welchen sawr übersich köpelt. In geringem wein jngenommen bekompt sie wol denen so blut speien. Item denen so das hüfftwee haben / und schmertzen der blasen / in wasser gesotten. Ist gut denen so die geelsucht haben / und wassersüchtig seind. Item denen so die schwindsucht haben / und eyter umb die brüst. Betonick ist seer gut zu den lamen glidern.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de