Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Feigbonen. Cap. CXVI.

 

Abbildung Feigbonen
Feigbonen ( CLXXIII )
Abbildung: Seite 322

Deutsch: Lupine, weiße
English: Lupine, white
Francais: lupin blanc
Latein: Lupinus albus

Namen.

F
Eigbon würdt auff Griechisch Thermos / zu Latein Lupinus genent.

Gestalt.

   Feigbonen haben ein eintzigen runden stengel / welcher in der höhe vil neben zincken gewindt / alle sampt mit vilen blettern bekleydet / einem rädlin gleich formiert / ein yedes blatt in fünff oder siben fach zerteylt / anzusehen als ein stern. Die blumen seind weiß / den Erbsen blumen der gestalt nach gleich / deren wachsen vil neben einander / darauß werde runde rauhe harige schotten / in welchen seind gemeinlich fünff oder sechs herte / breyte / und rotlechte körner. Die wurtzel ist geel / und zasecht.

Statt seiner wachsung.

   Feigbonen wachsen gern in heyssem sandigen erdtrich. Wo sie in feyßt zäch erdtrich gesäet werden / da kompt es nit gern. Wil auch kein wart haben.

Zeit.

   Feigbonen blüen drey mal. Erstlich gewinnen sie jhre blust mitten im stamm / im ende des Meyens. Die ander blust erhebt sich an den neben ästen / so die ersten anfahen zu zeitigen / im Brachmonat. Die dritt im Hewmonat / an den gipffelen. Mögen alle in warmen jaren zu der zeitigung kommen.

Die natur und complexion.

   Die Feigbonen seind warmer und truckner complexion / welchs man leichtlich auß dem geschmack / der do seer bitter ist / abnemen kan.

Die krafft und würckung.

   Feigbonen gepulvert mit hönig jngenommen / treiben auß allerley würm. Gleiche krafft hat auch des wasser darinn die Feigbonen geweycht oder gebeytzt seind worden / getruncken. Sölchs thun sie auch so mans isset dieweil sie noch bitter seind. Feigbonen gesotten / und mit Rauten und Pfeffer getruncken / haben gleiche krafft. Jetz gemellter gestalt genommen / eröffnen sie das verstopffte miltz unnd leber. So mit gedachtem wasser allerley raud / böse geschwär / mäler / und der hauptgrind gewäschen würt / heylet es sie wunderbarlich. Jetz gemellt wasser mit hönig und Myrrhen inn die weiblichen scham gethon / treibt auß die todten frucht / unnd bringt den frawen jhre zeit. Feigbonen meel macht ein schöne haut / unnd vertreibt die blawen mäler. Gedacht meel mit Gersten maltz und wasser vermengt unnd übergelegt / lindert die beulen. Mit essig vermischt / das hüfftwee. In essig gesotten und übergelegt / zerteylt unn vertreibt es die kröpff / unnd bricht die Carbunckel. Feigbonen in regenwasser gesotten biß sie weych und zu einem safft werden / seubern das angesicht / angestrichen. Die wurtzel in wasser gesotten und getruncken / treibt den harn. So sie ettlich tag in wasser geweycht werden / unnd dasselbig wasser zum offtermal erneüwert würt / legen sie von sich die bitterkeyt / und werden gantz süß. Diser gestalt aber gestossen und mit essig getruncken / vertreiben sie das grawen des magens / und erwecken begird zu essen. Der rauch von den gebrennten Feigbonen / vertreibt die schnacken. Feigbonen in ölheffen gesotten / heylen allen grind der vierfüssigen thier / darmit bestrichen.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de