Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von wilden Kressen. Cap. CXV.

 

Abbildung Baurnsenff
Baurnsenff ( CLXXI )
Abbildung: Seite 319

Deutsch: Kresse, Feld-
English: Cow-cress
English: Pepperwort
Francais: cresson des champs
Latein: Lepidium campestre
 

Abbildung Besemkraut
Besemkraut ( CLXXII )
Abbildung: Seite 320

Deutsch: Kresse, Schutt-
Deutsch: Kresse, Stink-
English: Pepperwort, narrow-leaved
Francais: cresson puant
Latein: Lepidium ruderale

Namen.

D
Er wild Kreß darvon wir hie handeln / würdt auff Griechisch Thlaspi / Thlaspidion / unnd Sinapi agrion genent. Zu Latein Thlaspi / Capsella / und Scandulaceum. Zu unsern zeiten Nasturtium tectoru / Sinapi rusticu und sylvestre. Ursach diser und anderer mehr namen / haben wir nach der leng in unnserm Lateinischen kreüterbuch erzelt. Wer lust hat dieselbigen zu wissen / der mag sie am gedachten ort suchen und lesen.

Geschlecht.

   Des wilden Kressen seind zweyerley geschlecht / eins mit breyte blettern / welches sich gantz reimet zu der beschreibung Dioscoridis / würt auff Teütsch Bauren senff / oder Bauren kreß geheyssen. Das ander hat schmelere bletter / würt auff Teütsch Besemkraut genent. Ist jm aber diser namen gegeben derhalben / das es ein feins drausselechts kreütlin ist / und sich eim besem vergleicht. Ist ein wenig kleiner dann das erst geschlecht / sonst ausserthalb der bletter dem ersten mit blümlin und samen gleich.

Gestalt.

   Wilder Kreß ist ein kraut mit schmalen blettern / unn fingers lang / welche sich gegen der erden biegen unn neygen / ein wenig an örtern umbher zerkerfft. Sein stengel ist zart / ungeverlich anderhalb spannen hoch / mit vilen zweiglin oder ästlin / an welchen zu beyden seiten wachsen vil täschlin / welche sich mit jren kurtzen stylen einem löffel vergleichen / darinn bringt er seinen samen / der do seer klein ist / unn scharpff auff der zungen. Die blümlin auß welchen die täschlin werden / seind weiß an beyden geschlechten.

Statt irer wachsung.

   Die wilden Kressen wachsen auff dem feld neben den wegen / auff den allten hofstetten / und gemeüren.

Zeit.

   Die wilden Kressen blüen und bringen samen im Meyen und Brachmonat.

Die natur und complexion.

   Der wilden Kressen same wermet und trücknet im vierden grad.

Die krafft und würckung.

   Der samen auff ein halb becherlin vol getruncken / treibt die gallen auß unden unn oben. Er bringt den frawen jr zeit / tödt aber die frucht in muter leib / derhalben kein schwanger weib solchen samen brauchen sol. Er zerbricht auch alle inwendige geschwär jngenommen. Durch ein clystier jngenommen / ist er nützlich denen so das hüfftwee haben. Dise würckung schreiben zu die allten dem samen der wilden Kressen. Dieweil er aber hitzig ist biß in den vierdten grad / und derhalben seer scharpff / soll er selten in leib genommen und jnnerlich gebraucht werden. Eüsserlich aber soll er genützt werden zu stillen den schmertzen der hüfften / zu seuberung unn reynigung der haut / unn heylung der unreynen geschwär / wie der garten Kreß / welchs würckung dise wilde Kressen auch haben. Diser wild Kreß würt in den Theriack gebraucht.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de