Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Müntzen. Cap. CX.

 

Abbildung Krauß deyment
Krauß deyment ( CLX )
Abbildung: Seite 303

Deutsch: Minze, Saat-
Deutsch: Minze, Edel-
English: Mint, garden
English: Mint, ginger
Francais: menthe cultivée
Latein: Mentha gracilis
 

Abbildung Krauß balsam
Krauß balsam ( CLXI )
Abbildung: Seite 304

Deutsch: Minze, Hain-
Deutsch: Minze, Bach-
English: Mint, bowles
Francais: baum sauvage
Latein: Mentha villosa
 

Abbildung Unser frawen müntz
Unser frawen müntz ( CLXII )
Abbildung: Seite 305

Deutsch: Minze, Ähren-
Deutsch: Krauseminze
Deutsch: Minze, grüne
English: Spearmint
Francais: menthe verte
Latein: Mentha spicata
 

Abbildung Hertzkraut
Hertzkraut ( CLXIII )
Abbildung: Seite 306

Deutsch: Minze, Saat-
Deutsch: Minze, Edel-
English: Mint, ginger
English: Mint, garden
Francais: menthe romaine
Latein: Mentha gracilis
 

Abbildung Roßmüntz
Roßmüntz ( CLXIIII )
Abbildung: Seite 307

Deutsch: Minze, Ross-
Deutsch: Minze, langblättrige
English: Mint, horse
English: Mint, biblical
Francais: menthe sauvage
Latein: Mentha longifolia

Namen.

D
Ie Müntz würt von den Griechen Hedyosmos oder Minthe / vo den Lateinischen aber Mentha geheyssen. Sölche namen hat sie von wegen jhres guten geruchs überkommen / wie wir sölchs im Latein weitleüffiger haben angezeygt.

Geschlecht.

   Der Müntzen seind erstlich zwey geschlecht / zam unn wild. Der zamen seind widerumb vil / fürnemlich aber vier / geschlecht. Das erst mit den runden blettern würdt Deyment / Beyment / oder Krauß deyment genent. Das ander ist der bletter halben dem ersten gleich / unn würt Krauser balsam geheyssen. Das dritt mit den langen blettern nent man Balsam müntz / Spitz müntz / oder Unser frawen müntz. Das vierdt geschlecht würdt Hertzkraut geheyssen. Die wild müntz würt auch von ettlichen Rosszmüntz / und wilder Balsam genent / zu Latein Mentastrum.

Gestalt.

   Das erst geschlecht der zamen Müntzen hat einen viereckerten stengel / welcher von unden auff braunfarb ist / unnd harig. Seine bletter seind rund / zerkerfft ringßumbher / weych / unn eins guten geruchs. Die blume / welche purpurbraun seind / steen umb den stengel ringßumbher / unnd vergleichen sich einem enspen.
   Das ander geschlecht ist dem ersten gantz gleich / allein das die blumen nit ringßumbher bey den gleychen an dem stengel steen / sonder oben bey dem gipffel / und seind einem äher gleich. Das dritt hat lenger und spitziger bletter / aber den blume nach ist es dem andern gleich. Das vierdt zam geschlecht ist den blettern nach dem vorigen gleich / doch die blumen steen umb den stengel ringßumbher / wie an dem ersten. Die wild Müntz hat lange / rauhe bletter / unnd mit weisser woll bekleydet / eins starcken geruchs / seine blumen steen oben am gipffel des stengels / und seind an der farb braunlecht mit weisser farb vermischt.

Statt irer wachsung.

   Die zam Müntz wechst allenthalben in gärten. Doch will sie haben ein stat do die sonn hin kommen mag / darumb bedarff sie keins feyßten / noch getünchten erdtrichs. Die wild oder Roßmüntz wechst gern an mosechte unn feüchten orte.

Zeit.

   Allerley Müntzen blüen im Augstmonat.

Die natur und complexion.

   Beyderley Müntzen zam und wild seind warm im dritten grad. Doch ist die zam etwas schwecher dann die wild / ist aber trucken im andern grad.

Krafft und würckung.

   Die zamen Müntzen wermen / ziehen zusamen / unnd trücknen. Derhalben so jhr safft mit essig vermischt getruncken würt / stellt er das blut / tödtet die runden würm / unn reytzet zur unkeüscheyt. Zwey oder drey zweiglin mit saurer granatöpffel safft getruncken / stillen das hexgen / würgen / und Choleram genent / das ist / so unden unnd oben die gall vonn einem geet. Mit Gersten maltz vermischt und übergelegt / zerteylen und verzeren sie die geschwulst. Ober die stirn gelegt / miltern sie das haubtwee. Müntzen auff die brust gelegt / vertreiben die menig der milch / unn das tänen und sparren derselbigen. Mit saltz vermischt zerstossen und übergelegt / heylen sie die biß der wütenden hund. Jhr safft mit hönigwasser vermischt / und in die ohrn gethon / benimpt den wetagen derselbigen. So man die zungen darmit reibt / vertreiben sie die rauhe derselbigen. Die bletter in die milch gelegt / verhüten das sie nit gerinnet / noch zusamen laufft. Sie seind auch seer dienstlich dem magen. Mit wasser und essig gesotten unnd getruncken / stillen sie das blut speien / das nit lang geweret hat. Der geruch der zamen Müntzen macht mut und frölich / der geschmack aber erweckt begird zu der speiß. So man Müntzen in wasser gesotten drey tag nach einander trinckt / vertreiben sie das grimmen und weetagen der därm. Sie stellen auch der frawen kranckheyt. Heylen die geschwär am kopff der jungen kindern / unnd die flechten. Sie seind auch dienstlich der kallten leber / stercken den magen / unnd die dewung. In wein getruncken / kommen sie zuhilff den frawen so schwärlich gebären. Die wild Müntz ist nit also gebreüchlich zu der gesundtheyt als die zam.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de