Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Ginst. Cap. LXXIX.

 

Abbildung Ginst
Ginst ( CXXIII )
Abbildung: Seite 236

Deutsch: Ginster, Besen-
Deutsch: Besenginster
English: Broom, common
English: Broom, scotch
Francais: genÍt ŗ balais
Latein: Cytius scoparius

Namen.

G
Inst oder Genist hat seinen namen her von dem Latein / dann von den allten ist sie Genista genent worden. Zu unsern zeiten würt sie inn den Apotecken Genesta und Genestra geheyssen / wie wir im Latein weitleüffiger haben angezeygt.

Gestalt.

   Ginst ist ein staud mit grünen und rauhen stengeln / mit vilen zweigen / welche mit kleinen blettlin geziert seind. Seine blumen seind geel / den Immen gantz angenem. So die blumen abfallen / wachsen die rauhe und harige schäflin hernach / in welchen der sam beschlossen ist / den Wicken nit ungleich. Die wurtzel ist geelfarb.

Statt seiner wachsung.

   Ginst wechst gern auff dürren sandigen orten / inn wälden / oder nit weit darvon.

Zeit.

   Ginst blüet im Brachmonat / und bringt folgends seine schäflin / und darinn den samen.

Die natur und complexion.

   Ginst ist warm und trucken im andern grad / welches sein geschmack / der do bitter ist / klärlich anzeygt.

Die krafft und würckung.

   Der sam purgiert fast wie die Nießwurtz / so desselbigen anderhalb quintlin in hönigwasser nüchtern jngenommen unn getruncken werden. Darumb ist er zu unsern zeiten in einem grossen brauch wider das Podagra / dann er treibt gewaltig auß durch den stulgang die groben und zähen feüchtigkeyten / die ein ursach seind des Podagra. Der sam treibt auch den harn / und zermalt den stein in den nieren und in der blasen. Verzert die kröpff / unnd allerley geschwulst. Die äst sampt den blettern in essig etlich tag jngebeytzt und zerstossen / geben von sich einen safft / welcher so er biß auff drey lot getruncken würt / bekompt er treffenlich wol denen so das hüfftwee haben. Ettlich aber beytzen sie im meer oder gesaltzen wasser / und machen ein clystier darauß. Ginst mit schmär gestossen / heyt den weetagen der knüe.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de