Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Poley. Cap. LXXIII.

 

Abbildung Poley
Poley ( CX )
Abbildung: Seite 216

Deutsch: Flöhkraut
Deutsch: Polei
English: Grass, pudding
English: Penny-royal
Francais: pouliot (menthe)
Latein: Mentha pulegium

Namen.

P
Oley würt von den Griechen Blechon / und Glechon / von den Lateinischen aber Pulegium genent. Ursach sölcher namen haben wir in dem Lateinischen gnugsam angezeygt / unn ist nit von nöten denen so diser zweyer spraach nit verstendig seind / sölche anzuzeygen.

Geschlecht.

   Plinius unn Apuleius schreiben das zweyerley geschlecht seind des Poleys. Eins das mennle / das ander aber das weible. Dise beyde seind einander gleich / und haben keinen underscheyd dann in den blümlin / welche am mennle weiß / an dem weible aber purpurbraun seind. Die andern machen auch zweyerley geschlecht des Poleys / zam unnd wild. Der zam Poley ist der den Plinius das mennlin macht. Der wild ist ein geschlecht der Müntzen / zu Latein Calaminthae geheyssen / wie wir an seinem ort wöllen anzeygen. Und das ist das die die demütigen schäflin zu blerren / so sie das blüend kraut versucht unnd gessen haben / bewegt und reytzt.

Gestalt.

   Poley mennle flicht sich hin unn her auff der erden / steigt in die höhe eins elenbogen hoch / so er anderst ettwas hat daran er sich enthelt. Die bletter seind dem Maioran gleich / die zweiglin unnd stengelin seind harig / rotlecht / die blumen umb die stengel geringßumbher wie an dem Marobel / purpurbraun. Die wurtzel ist gantz zasecht. Das weiblin blüet weiß / sonst aller gestalt nach dem mennlin gleich.

Statt seiner wachsung.

   Poley wechst gern an gebawten und feüchten orten / und wo es ein mal hinkompt / do bleibt es hangen / unnd kreücht hin und wider / unnd überzeücht ein gantz feld.

Zeit.

   Poley blüet im summer / nemlich im Hewmonat und Augstmonat / so ander kreüter der hitz halben dorren unn welcke / zu welcher zeit man es samlen sol.

Die natur und complexion.

   Dieweil Poley scharpff und etwas bitter ist / so muß er warm und trucken im dritten grad sein.

Die krafft und würckung.

   Poley in wein gesotten und getruncken bringt den frawen jhre kranckheyt / treibt auß das bürdlin / und die geburt. Mit hönig und Aloe getruncken / reyniget er die lungen / und steüret den krampff. Mit wasser und essig genommen / legt er den unwillen und das grimmen und nagen im magenschlund. Die schwartzen gallen treibt er durch den stulgang auß. In wein getruncken / kompt er zuhilff denen so vo den gifftigen thiern gebissen seind. Poley gestossen unn mit essig für die nasen gehalten / bringt herwider die so in onmacht fallen. Poley gedörrt und zu pulver gestossen / oder zu äschen gebrent / sterckt das zanfleysch. Mit gersten maltz gestossen und übergelegt / miltert er allerley brand. Poley auff die podagrische glider gelegt biß das sie rot werde / stilt den schmertzen. So man Poley mit saltz überlegt / bekompt es wol den miltzsüchtigen. Poley in wasser gesotten / und die glider darmit gewäschen / legt das iucken derselbigen. So man Poley in wasser seüdt / und darinnen sitzt / benimpt er das bläen / herte / und den krampff der mutter. Ein krentzlin auß Poley gemacht / und auff das haubt gesetzt / vertreibt den weetagen desselbigen / unnd den schwindel. An Poley gerochen / ist gut denen so ein kalt und feücht hirn haben. Mit wein gesotten und getruncken / treibt den harn / unn den stein der nieren. Mit essig genommen / ist er treffenlich gut denen so die fallenden sucht haben. So man ungesund wasser trincken muß / sol man Poley darinn legen / oder das pulver darvon darinn werffen / so macht er das mans on schaden trincken kan. Poley mit saltz / essig unnd hönig vermengt / ist gut denen so den krampff haben / wann sie sich darmit reiben lassen. Er bekompt auch treffenlich wol dem hüfftwee / so er außwendig über die hüfft gelegt würt.

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