Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Süeßholtz. Cap. LXX.

 

Abbildung Süßholtz
Süßholtz ( CVII )
Abbildung: Seite 211

Deutsch: Süßholz, spanisches
English: Root, sweet
English: Liquorice
English: Licorice
Francais: réglisse
Latein: Glycyrrhiza glabra

Namen.

S
Ueßholtz würt von den Griechischen Glycyrrhiza / von den Lateinischen Dulcis radix / in den Apotecken Liquirita geheyssen. Seinen namen aber hat es von dem sussen safft / der in der wurtzel begriffen ist.

Gestalt.

   Süßholtz ist ein staud / welche vil äst oder stengel hat zweyer elen hoch / und seind sölche holtzechte gertlin mit schwartzgrünen / dicken unnd feyßten blettern bekleydet / welche im angriff zäch seind / als werden sie mit gummi beschmiret. Zwüschen dem laub und stengel bringt es purpurbraun blümlin / dem Hyacintho gleich. So sie außfallen / tringen kleine rauhe kurtze schöttlin hernach / in welchen zwey oder drey körner verschlossen seind / den Linsen nit ungleich. Die wurtzel ist lang / inwendig geel als Buchßbaume holtz / oder Entzian wurtzel / etwas herb / doch süß / auß welcher zwingt man einen dicken safft.

Statt seiner wachsung.

   Das allerbeste Süßholtz wechst in Cappadocia und Ponto. Und zwar es wechst nit das ergest und geringst in unserm Teütschen land. Dann der Babenbergisch acker würt sonderlich gelobt das er uns Süßholtz gnugsam mitteylen kan. Wo es ein mal würt hin gepflantzt / do kreücht es hin und wider / unn mag nit wol mehr außgereütet werden.

Zeit.

   Blüet im Hewmonat / und würt sein same im Herbst gesamlet.

Die natur und complexion.

   Süßholtz ist der menschlichen natur gantz angenem unnd gleichförmig. Darumb es ein zimliche werme hat / ja ist gar nach mittelmässig der werme halben. Sonst ist es feüchter natur.

Die krafft und würckung.

   Der safft von Süßholtz / so man denselbigen in den mund nimpt / und laßt jn selber zerschmeltzen und im hals hinab schleichen / miltert unn lindert die rauhe kelen. Er bekompt auch wol dem hitzigen magen / unnd allerley gebresten der brust / unn der leber. So er mit süssem wein getruncke würt / heylet er die verseerten blasen / unn allerley gebresten der niere. So man gedachte safft zerlaßt / lescht er den durst. Bekompt auch wol den wunden / so er darumb gestrichen würt. Die wurtzel frisch in wasser gesotten / hat allerley würckung wie der safft. So sie aber gedörrt würt unn zu pulver gestossen / unn in die wunden gestrewt / heylet sie dieselbigen. Man mag auch Süßholtz / dieweil es dem magen gantz dienstlich ist / zu allerley artzney / dem magen / der lungen / leber / blasen und nieren zugehörig / brauchen. Soll demnach billich von menigklich das Süßholtz werdt geacht und gehalten werden.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de