Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

Hopffen (058) vorheriges Kapitel Inhaltsverzeichnis folgendes Kapitel Feldzwibel (060)
 

Von Erenbreiß. Cap. LIX.

 

Abbildung Erenbreiß mennle
Erenbreiß mennle ( XCIII )
Abbildung: Seite 189

Deutsch: Ehrenpreis, echter
English: Speedwell, common
Francais: véronique mâle
Francais: thé d'Europe
Latein: Veronica officinalis
 

Abbildung Erenbreiß weible
Erenbreiß weible ( XCIIII )
Abbildung: Seite 190

Deutsch: Tännel-Leinkraut, unechtes
Deutsch: Leinkraut, unechtes
Deutsch: Schlangenkraut, eiblättriges
English: Cancerwort
English: Fluellen, round-leaved
Francais: linaire bâtard
Latein: Kickxia spuria

Namen.

E
Renbreiß würdt sonst auch Grundtheyl genent / von wegen seiner treffenlichen krafft unnd würckung / so es hat in heylung der wunden und geschwären. Zu Latein würt es yetzund allenthalben Veronica geheyssen.

Geschlecht.

   Des Erenbreiß ist zweyerley geschlecht / mennle unnd weible. Beyder aber underscheyd wöllen wir in der beschreibung jhrer gestalt / gnugsam anzeygen.

Gestalt.

   Erenbreiß mennle fladert hin und wider auff der erden mit seinen dünnen rotlechten rütlin / unnd harigen stengelin. Die bletter seind langlecht / schwartzgrün / harig / unn mit reynen zarten kerflin zerschnitten. Die blümlin seind klein / blaw milchfarb / und ein wenig mit purpur vermengt. So die vergangen / gewindt es kleine täschlin / darinn ist seer kleiner samen verschlossen. Die wurtzel ist dünn mit vilen zaseln. Das weible kreücht auch mit seinen dünnen harigen stengeln auff der erde / die bletter seind nit zerkerfft / grüner / linder unn weycher / geformiert beynach wie die bletter am Pfennig oder Egelkraut. Die blumen seind etwas anders gestalt dann an dem mennle / und vergleichen sich ettlicher massen den blümlin so am grossen Bathengel wachsen / vonn farben purpurbraun mit geelem vermischt. So sie abfallen / werde kleine runde hülßlin oder täschlin darauß / inn welchen es den samen bringt. Die wurtzel ist grawlecht / ein wenig dicker dann des mennlins.

Statt irer wachsung.

   Erenbreiß wachsen an ungebawten orten / fürnemlich in wälden under den Eychbeumen / und dürren / sandigen / und leymechten bergen.

Zeit.

   Blüen im Hewmonat / und folgends bringen sie auch samen.

Die natur und complexion.

   Beyde Erenbreiß seind etwas bitter am geschmack / unn ziehen seer zusamen / derhalben müssen sie warmer und truckner natur sein.

Die krafft und würckung.

   Erenbreiß seind nützlich zu frischen und allten wunden / dann sie heylen dieselbigen. Man sol sie auch zu allerley rauden unnd unsauberkeyt der haut brauchen / als seind zittermäler / flechten / und dergleichen. Sie seind aber fürtreffenlich gut zu der verseerten lungen / so man ein tranck darauß macht / oder ein latwerg. Die hirten haben ein sondere erfarung von dem Erenbreiß / dann sie brauchen dieselbig gepulvert mit saltz vermischt zum husten des vichs. In summa / Erenbreiß ist auch ein recht wundtkraut / soll derhalben hoch geachtet werden von menigklich.

nach oben

Hopffen (058) vorheriges Kapitel Inhaltsverzeichnis folgendes Kapitel Feldzwibel (060)

© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de