Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Hanenfuß. Cap. LVII.

 

Abbildung Wisenhanenfuß
Wisenhanenfuß ( LXXXV )
Abbildung: Seite 178

Deutsch: Hahnenfuß, Gold-
English: Crowfoot, wood
English: Goldilocks
Francais: renoncule blonde
Latein: Ranunculus auricomus
 

Abbildung Ungefülter garten hanenfuß
Ungefülter garten hanenfuß ( LXXXVI )
Abbildung: Seite 179

Deutsch: Hahnenfuß, Acker-
English: Crowfoot, corn
English: Devil's Claws
English: Buttercup, corn
Francais: renoncule des champs
Latein: Ranunculus arvensis
 

Abbildung Gefüllter hanenfuß
Gefüllter hanenfuß ( LXXXVII )
Abbildung: Seite 180

Deutsch: Hahnenfuß, gefüllter
Deutsch: Goldknöpfchen
English: Flore Pleno
English: Bachelor's Buttons, yellow
Francais: jauneau
Francais: renoncule acre
Latein: Ranunculus acris
 

Abbildung Wasser hanenfuß
Wasser hanenfuß ( LXXXVIII )
Abbildung: Seite 181

Deutsch: Hahnenfuß, Gift-
English: Crowfoot, marsh
English: Crowfoot, celery-leaved
Francais: renoncule scélerate
Latein: Ranunculus sceleratus
 

Abbildung Kleiner hanenfuß
Kleiner hanenfuß ( LXXXIX )
Abbildung: Seite 182

Deutsch: Hahnenfuß, knolliger
English: Crowfoot, bulbous
English: Buttercup, bulbous
Francais: rave de St. Antoine
Francais: renoncule bulbeuse
Latein: Ranunculus bulbosus
 

Abbildung Weiß waldhenle
Weiß waldhenle ( XC )
Abbildung: Seite 183

Deutsch: Windröschen, Busch-
English: Anemone, wood
English: Flower, wind
Francais: anemone des bois
Francais: sylvie
Latein: Anemone nemorosa
 

Abbildung Gelbs waldhenle
Gelbs waldhenle ( XCI )
Abbildung: Seite 184

Deutsch: Anemone, gelbe
Deutsch: Windröschen, gelbes
English: Flower, wind, yellow
English: Anemone, wood, yellow
English: Anemone, yellow
Francais: sylvie jaune
Latein: Anemone ranunculoides

Namen.

H
Anenfuß würdt von den Griechen genent Batrachium / zu Latein aber Ranunculus. Von ettlichen würt diß kraut Flammula / umb seiner scharpffen unn brennenden krafft willen / geheyssen. Der Apuleius nent es Sceleratam / das ist / ein schalckhafftig oder boßhafftig kraut / von wegen der schalckhafftigen bettlern / welche mit disen gewechsen die füß unnd arm auff etzen / darmit sie die leüt bewegen jhnen zegeben. Aber mit sölchen bösen buben die mit disem betrug das gelt von den leüten bringen / sol man zu dem hencker eilen / darmit sie fürhin sölchen falsch nit mehr treiben künden.

Geschlecht.

   Es seind zwar vil geschlecht der Hanenfüß / aber die fürnemsten / und so gemeinlich gefunden werden / wie Dioscorides unnd Galenus anzeygen / seind viererley. Der erst Hanenfuß ist auch zweyerley / einer zam / der ander wild. Der zam ist auch zweyerley art / einer gefüllt / der ander ungefüllt. Des wilden werden zweyerley von den allten erzelt. Einer hat geele blume / den haben wir wisen Hanenfuß genent / darumm das er gern in den wisen unn graßgärte wechst. In unserm Lateinischen kreüterbuch ist durch jrthumb / weisser für wisen gesetzt. Der ander hat purpurbraun blume / den haben wir noch nit mögen sehen. Den andern Hanenfuß / welcher fast bletter hat wie der Epffich / unn derhalben von ettlichen wilder Epffich genent würt / habe wir wasser Hanenfuß geheyssen. Der dritt Hanenfuß ist klein / darumb wir jhn auch kleinen Hanenfuß genent haben. Das vierdt geschlecht der Hanenfüß ist das aller kleinst / und würt auff Teütsch genent Waldhenle. Diß ist auch / wie Plinius schreibt / zweyerley / eins mit weissen / das annder mit geelen blumen. Darumb wir das ein / weiß Waldhenle / das ander geel Waldhenle genent haben.

Gestalt.

   Der erst Hanenfuß / wie Dioscorides schreibt / hat bletter dem Coriander gleich / doch breyter / unnd wie Plinius meldt / die fast in der breyte der Pappeln bletter seind / weißlecht unn feyßt. Die blum ist geel / zu zeiten auch purpurbraun. Der stengel ist nit dick / doch elnbogens hoch. Die wurtzel ist klein / weiß / bitter / mit vilen anhangenden kleine zaseln / wie an der Nießwurtz. Auß welchen worten Dioscoridis klärlich vermerckt würt / das der wisen Hanenfuß ein gschlecht ist des ersten Hanenfuß / dann er hat bletter die seind erstlich rund / ungespalten / die andern aber so nach den ersten kommen / seind zerspalten und geformiert wie der Hünerfuß / und ye höher am stengel / ye gleicher sie dem Hüner oder Rappenfuß werden / unnd ye schmeler / wie an dem Coriander kraut. Die blumen seind geel / die wurtzel hat vil zaseln / wie die Nießwurtz. Deßgleichen auch der ungefüllt Hanenfuß hat allenthalben bletter / wie die andern Hanenfüß allein am obersten teyl des stengels haben / gantz schmal / doch seind sie oben auff in zwey teyl zerspalten. Seine blümlin seind dunckelgeel / gewindt ein stachelechts köpflin / wie ein Ygel / darinn ist der sam. Die wurtzel ist auch zasecht / wie an der weissen Nießwurtz. Der gefüllt garten Hanenfuß hat auch zerspalte bletter wie der wisen Hanenfuß / einen dünnen und langen stengel / darauff steen schöne gefüllte geele blumen / die wurtzel ist auch zasecht / wie der vorigen. Der wasser Hanenfuß gewindt ein hohen stengel / und daran bletter die seind tieff zerkerfft wie des Epffichs / hat auch schöne bleychgeele blümlin / so dieselbigen abfallen gewindt er köpfflin wie die trauben zusamen getrungen / darinn ist sein same. Die wurtzel hat auch vil zaseln. Der kleiner Hanenfuß hat zerspaltne unn außgeteylte bletter / ist ein wenig harig / der stengel rund / und auff demselbigen schön geel blumen. Die wurtzel rund wie ein kleiner zwibel / mit kleinen anhangenden zaseln. Das vierdt geschlecht / das man Waldhenle heyßt / hat auch zerspaltene bletter wie die andern Hanenfüß / sein stengel würt nit hoch / auff demselbigen gewindt es blumen die seind weiß leibfarb / unnd an ettlichen hübsch geel. Die wurtzel ist überzwerch geflochten / langlecht / unnd etwas knöpffecht. Brent auff der zungen / wie der klein Hanenfuß.

Statt irer wachsung.

   Das erst geschlecht des geelen Hanenfuß wechst von jm selbs bey den lachen / pfulen / feüchten wisen und graßgärten. Der gefüllt würdt allein in den gärten von den junckfrawen zu den krentzen gepflantzt. Der ungefüllt wechst auch in den gärte / unn zu zeiten auff den nassen feldern / sonderlich wann feüchte jar seind. Der wasser Hanenfuß wechst bey den wassern und bächen. Der kleiner in den graßgärten / wisen / unnd heyden allenthalben. Die Waldhenlin findt man in den wälden / inn sonderheyt das weiß. Das geel aber wechst in hecken unnd awen an dem wasser gelegen.

Zeit.

   Der wisen Hanenfuß blüet im anfang des Aprillen / und vergeet darnach im Meyen. Die garten Hanenfüß gefüllt unnd ungefüllt / deßgleichen der wasser unnd klein Hanenfuß blüen den gantzen summer. Das Waldhenlin kompt im früling / nemlich im Mertzen und Aprillen herfür / und blüet in den wälden und feüchten awen / darnach vergeet es auch / wie der erst Hanenfuß.

Die natur und complexion.

   Die Hanenfuß alle zugleich seind seer warmer und truckner natur / doch der wisen Hanenfuß ist nit sonderlich scharpff wie die andern / darumb er auch nit so krefftig ist in der würckung wie die andern geschlecht der Hanenfüß.

Die krafft und würckung.

   Aller Hanenfüß stengel und bletter so sie noch zart seind zerstossen und übergelegt / etzen auff / brennen / unn machen rufen. Derhalben nemen sie hinweg die rauhen und unglatten negel / allerley rauden / und masen so am leib seind / wartzen / und andere ungeschickte gewechß. So mans ein kleine weil denen so das haar außfallet überlegt / bringen sie denselbigen grossen nutz. Doch soll mans bald wider dannen thun / dann sie sonst die haut auff etzen. Die wurtzel gedörret macht seer niesen.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de