Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Brombeer. Cap. LV.

 

Abbildung Brombeer
Brombeer ( LXXXIII )
Abbildung: Seite 174

Deutsch: Brombeere
English: Blackberry
Francais: ronce (commune)
Latein: Rubus fructicosus

Namen.

B
Rombeer würt von den Griechen Batus genent / zu Latein Rubus oder Sentes. Die frücht aber werden geheyssen vonn den Griechen Batinia / vonn den Lateinischen aber Vacinia / unnd von ettlichen Mora vaticana / wie wir das gnugsam in unserm Lateinischen kreüterbuch haben angezeygt.

Geschlecht.

   Wiewol der geschlecht des Rubi vil seind / doch findt man der Brombeer zweyerley / das ein mit grossen blüen / das ander aber mit kleinen / wie das gemäl klärlich beweißt.

Gestalt.

   Die Brombeer seind zwar yederman bekant. Hencken sich gern an die kleyder deren so fürübergeen. Die stengel oder zweig seind allenthalben mit herten und stechenden dorn verwart. Die bletter seind vilfeltig zerschnitte / an eim ort schwartzlecht / am andern weißferbiger. Die blum ist erstlich rotlecht / darnach aber würt sie schneeweiß / auß welcher ein frucht herfür kompt den Maulbeeren nit ungleich / schwartzbraun / die ist inwendig voller rotes saffts.

Statt seiner wachsung.

   Brombeer wechst allenthalben in den hecken / und begärt von stundan undersich gegen der erden / und würtzelt widerumb jn / hegt sich also selber.

Zeit.

   Die bletter sollen im früling gesamlet werden. Die blumen im anfang des summers / im Brachmonat unnd Hewmonat. Die frucht aber umb die ernd / dann umb dieselbigen zeit würt sie zeitig.

Die natur und complexion.

   Die bletter so erst herfür kommen seind etwas kelter unnd gröber natur / oder substantz / haben inn sich ein wässerige substantz / sie ziehen auch ein wenig zusamen. Die frucht so sie noch unzeitig ist / und herb / trücknet seer / und ist kalter natur. Aber wann sie zeitig würt / so überkompts ein mittelmässige werme / zeücht doch noch zusamen.

Die krafft und würckung.

   Brombeer ästlin oder zweiglin gesotten und getruncken / stellen den bauchfluß / unn der frawen kranckheyt. Seind gut für der gifftigen würm biß. Stercken das zanfleysch. Die bletter gekeüwet / heylen die mundfeulen / den grind des haupts / die augen so auß dem kopff fallen wölle / geschwär des affters / unn die ruckadern / so mans überlegt. Sie seind auch nützlich denen so groß weetagen des magens haben / unnd derhalben in onmacht fallen / wann mans zerstoßt unnd überschlecht. Der safft aber auß den stengeln und blettern getruckt und an der sonnen folgends zusamen bracht und gedörrt / ist krefftiger in heylung der obgemelten gebresten. Der safft von der frucht / so sie zeitig würdt / ist bequemlich zu allerley gebresten des munds. So die frucht aber halb zeitig ist / unnd sie oder der safft darauß getruckt gessen würdt / stillens den bauchfluß. Sein blum in wein gesotten unnd getruncken / hat gleiche krafft. In summa / die bletter unnd zweig so sie gessen unnd gekeüwet werden / heylen die mundfeule / unnd allerley geschwär des munds. Heylen auch die andern wunden. Die blum hat gleiche krafft unnd würckung mit der unzeitigen frucht. Seind aber beyde nützlich zu der roten rhur / dem bauchfluß / unnd blut speien. Die wurtzel in wein gekocht und getruncken / bricht den lenden stein. Die bletter gedörret / und zu pulver gestossen / seind nützlich den geschwären des vichß. Die neüwen schößlin in rauhem wein gesotten / krefftigen unnd stercken die wacklenden zän.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de