Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von wildem Feldsaffran. Cap. XLII.

 

Abbildung Wilder feldsaffran
Wilder feldsaffran ( LXVI )
Abbildung: Seite 145

Deutsch: Golddistel
Deutsch: Eberwurz, gewöhnliche
Deutsch: Wetterdistel, kleine
English: Thistle, carline
Francais: carline vulgaire
Latein: Carlina vulgaris
 

Abbildung Cardobenedict
Cardobenedict ( LXVII )
Abbildung: Seite 146

Deutsch: Benediktenkraut, echtes
Deutsch: Benediktendistel
English: Thistle, blessed
Francais: chardon bénit
Latein: Cnicus benedictus

Namen.

D
Ise Disteln von welchen wir in disem capitel handlen / werden von den Griechen Atractylides geheyssen / Lateinisch werden sie genent Cnicus sylvestris / das ist wilder Feldsaffran.

Geschlecht.

   Diser Distel so zu Latein Cnicus sylvestris genent ist / seind zweyerley geschlecht. Das erst ist nicht seer rauch / sonder mild / unnd dem wilden Saffran so in gärten gepflantzt würt / gleicher. Desselbigen stengel / der da starrig ist und hart / haben vor zeiten die weiber für rocken gebraucht / und daran gespunne. Auff Teütsch mag er billich wilder Feldtsaffran genent werden / das ein underscheyd sey under dem wilden garten Saffran / und diser gegenwertigen Distel. Das ander geschlecht ist rauher / und würt in den Apotecken / und von den newen kreütlern Carduus benedictus / das ist gesegneter Distel / umb seiner grossen und heylsamen krafft willen / geheyssen. Sonst gemeynlich würt er Cardobenedickt / und Bornwurtz genent.

Gestalt.

   Wilder Feldsaffran / ist dem wilden garte Saffran nit seer ungleich / doch hat er am gipffel der stengel lengere bletter. Sein stengel ist zu Herbstzeiten zum theil bloß / dann dazumal die bletter seer abfallen / rauch / und starrig / doch dünn unn klein. Auff dem stengel gewindt er stachelechte köpfflin / die blüen bleychgeel. Die wurtzel ist schmal / unnd hat in der artzney keinen brauch. Der samen ist schmal / langlechtig klein / und schwartz. Cardobenedict ist gantz rauch und harig / seine stengel seind dem Genßdistel oder Hasenköl gleich / kreüchen auff der erden jnher / darumb das sie gantz weych unn zart seind. Die stengel stossen runde wollechte köpfflin herfür / die blüen bleychgeel. Nach der blust findt man in den beschloßnen köpfflin langen und bleychgeelen samen in weissen wollen verschlossen / der ist bitter / und hat zu oberst ettlich har / die sich einem bard vergleichen. Die wurtzel ist zimlich lang / zart / mit vilen zaseln.

Statt irer wachsung.

   Der Wild feldsaffran wechst in feldern / und auff den bergen. Cardobenedict würt yetzunder in den gärten allenthalben schier gepflantzt.

Zeit.

   Der Wild feldsaffran blüet im Augstmonat / und bleiben seine köpfflin den gantzen winter stan. Der sam würt erst im Herbst zeitig. Cardobenedict blüet im Brachmonat oder Hewmonat. Sein sam würt auch spat reiff.

Die natur und complexion.

   Beyde geschlecht / nach dem sie bitter am geschmack erscheinen / seind wermer und trückner natur / und verzeren.

Die krafft und würckung.

   Die bletter diser distel / und der sam zerstossen / und mit pfeffer unnd wein getruncken / seind nützlich denen so von den Scorpion gestochen werden. Es seind auch ettlich die schreiben / das sie so von den scorpion gestochen seind / keinen schmertzen empfinden / als lang sie dise kreüter in der hand habe. Der wild feldsaffran aber ist in sonderheyt gut zu den alten schäden unn fisteln / dann er heylet die selbigen. Cardobenedict benimpt allerley jnnerliche verstopffung / treibt den harn / bricht den stein / heylet die geschwer / fürnemlich der lungen. Ist auch gut denen so von den gifftigen thiern gebissen seind. Diß kraut ist bewert wider allerley gifft. Darumb ist es zur zeit der pestilentz seer nutzlich zu brauchen / dann es bewart vor diser kranckheyt / unnd macht gesund dise so mit gedachter pestilentz behafft seind. Man mag aber inn allen gedachten fälern das kraut sieden in wein oder wasser nach gelegenheit der kranckheit / oder aber das pulver vo disem kraut jngeben. Es ist aber Cardobenedict auch seer dienstlich zu den faulen schäden / fürnemlich zu dem Krebs an der brust / so man das pulver darein strewt. Darauß aber wol zu mercken ist / das dise zwo Distel eynerley geschlecht seind.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de