Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Burtzelkraut. Cap. XXXIX.

 

Abbildung Burtzel
Burtzel ( LXI )
Abbildung: Seite 137

Deutsch: Portulak, Garten-
English: Purslane, garden
Francais: pourpier
Latein: Portulaca oleracea
 

Abbildung Wilde Burtzel
Wilde Burtzel ( LXII )
Abbildung: Seite 138

Deutsch: Portulak, wilder
English: Purslane, wild
Latein: Portulaca oleracea

Namen.

B
Urtzelkraut / würt auch genent Saubon / Grensel / und Sewburtzel. Auff Griechisch Andrachne / Lateinisch aber Portulaca / welcher nam in den Apotecken bliben ist biß auff den heütigen tag.

Geschlecht.

   Des Burtzelkrauts findt man zweyerley geschlecht / zam und wild / also underscheydts auch Dioscorides. Die zam würdt in den gärten gepflantzt. Die wild wechst vonn jhr selbß / wie wir darnach wöllen anzeygen / würdt auff Teütsch wild oder Ackerburtzel geheyssen.

Gestalt.

   Das zam Burtzelkraut hat dick / feyßt / rund / unn ein wenig braunrot stengel / diewachsen übersich spannen hoch / unn zu zeiten auch höher. Seine bletter seind feyßt / und in die leng rundiert. Die stengel tragen zwüschen den gewerben der bletter / unnd an den gipffeln bleychgeele blümlin / darauß werden kleine runde bedeckte häfelin / voller kleins schwartzen samens. Das Ackerburtzel hat feyßte stengel und bletter wie die zam / doch kleiner / zarter unnd schmäler / die stengel seind auch breüner. Ligt allzeit auff der erden außgebreyt / ist gantz schlüpfferig / safftig / und ein wenig sawr / als wer es gesaltzen. Die geele blümlin seind auch kleiner dann an der zame.

Statt irer wachsung.

   Das zam Burtzelkraut wechst in den gärten dahin mans pflantzen / unnd sähen muß. Das wild aber wechst von jhm selb auff den felsen / in den weingärten und feyßten äckern.

Zeit.

   Burtzelkraut zam und wild / fahen an zu blüen im Brachmonat / unnd treiben sölchs biß gegen den Herbst. Die bletter sollen im Brachmonat und Hewmonat gesamlet werden / nachfolgends aber der sam.

Die natur und complexion.

   Burtzelkraut zam und wild seind von natur kalt im dritten grad / feücht aber im andern. Sie seind auch ein wenig sawr / als werens gesaltzen / daher es die alten haben eingemacht wie die Oliven unnd Capern. Die Walhen brauchens biß auff den heütigen tag hefftig im salat.

Die krafft und würckung.

   Burtzelkraut mit gersten maltz vermengt und übergelegt / vertreibt das haubtwee / hitz unnd röte der augen / weetagen des magens / unnd der blasen / leschet das rotlauff. So man Burtzelkraut keüwet / nimpt es das einügelen der zän / überige hitz des magens / und der därm / unnd stellet den bauchfluß. Es heylet die verseerten nieren / und blasen. Vertreibt die unkeüscheyt. Gleicherley würckung hat auch der safft / unnd ist krefftig im fieber. Es tödtet auch die runden würm im bauch / stelt das blut speyen / die roten rhur / die ruckader / unnd allerley blut flüß. Er sol auch under die augen salben vermischt werden. So einem der kopff von der sonnen weethut / soll diser safft mit rosenöl vermengt / angestrichen / oder von oben an auff den kopff herab gelassen werden. In summa Burtzelkraut kület seer allerley hitzige gebrechen / unn die weil es auch ein wenig rauch ist / so ist es auch gut zur stellung allerley flüß. So einem die mandel verseeret seind / sol man Burtzelkraut süeden / unn das wasser darvon gurgeln. Es befestiget auch die waggelten zän so mans keüwet. Bekrefftiget den magen / so mans mit essig und öl wie ein salat bereit / ißt.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de