Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Chamillen. Cap. VIII.

 

Abbildung Camillen
Camillen ( XIII )
Abbildung: Seite 57

Deutsch: Kamille, echte
English: Chamomile
English: Chamomile, wild
Francais: camomille
Latein: Matricaria recutita
 

Abbildung Geel Camillen
Geel Camillen ( XIIII )
Abbildung: Seite 58

Deutsch: Hundskamille, Färber-
Deutsch: Färberkamille
English: Dyer's Chamomile
English: Chamomile, yellow
Francais: camomille des teinturiers
Latein: Anthemis tinctoria
 

Abbildung Rittersporn
Rittersporn ( XV )
Abbildung: Seite 59

Deutsch: Rittersporn, Acker-
Deutsch: Rittersporn, Feld-
English: Larkspur, field
English: Larkspur, forking
English: Lark's Heel
Francais: éperon de chevalier
Francais: pied d'alouette
Latein: Consolida regalis
Latein: Delphinium consolida

Namen.

D
Iß kraut so wir Teütschen Chamillen heyssen / ist in Griechischer und Lateinischer spraach genent Chamemelum / derhalben das sie ein lieblichen geschmack hat / wie ein öpffel. Welchs zwar von der weissen Chamillen fürnemlich zuverston ist.

Geschlecht.

   Der Chamillen / wie Dioscorides klärlich anzeygt / seind dreierley geschlecht. Das erst hat weiß blumen / unnd würt der ursachen halben von den Griechen Leucanthemu geheyssen. Wir Teütschen mögens gebürlich nennen weiß Chamillen. Das ander geschlecht bringt goldgeel blumen / darumb die Griechen sölchs kraut Chrysanthemu nennen. Auff Teütsch würdt es geheyssen Goldtblum / Streichblum / oder geele Chamill. Das dritt geschlecht hat purpurfarb blumen / würt vom Dioscoride genent Eranthemon / derhalben das es in warmen landen im Lentzen am meysten blüet. Die Teütschen heyssens Rittersporn / darumb das seine blum einem rittersporn nit ungleich ist. Die Apotecker nennen diß kraut Consolidam regalem / derhalben das es wunden heylet.

Gestalt.

   Diser kreüter äst seind selten über ein spannen hoch / jhre stengel haben vil flügel / die äst aber seind dünn / auff welchen gewinnen sie runde blumen / welche inwendig goldgeel seind / aussen aber ringßumbher mit weissen / oder geelen / oder purpurfarben blettlin / in der Rautten bletter grösse / gezieret. Die bletter an den stenglen der zweyer geschlecht seind dem Dyllen nit unänlich. Das ander geschlecht aber hat bletter dem Reinfar oder Garbkraut gleich.

Statt irer wachsung.

   Wachsen gern im herten / trucknen / unnd magern erdtrich bey den wegen. Doch das erste unnd dritt / welche an den blettern einander auch nit ungleich seind / wachsen gemeynlich auff den feldern in den früchten.

Zeit.

   Das erste und dritt geschlecht blüen in warmen landen und jaren / im Lentzen / und darnach auch widerumb im Herbst. Das ander geschlecht aber blüet im Brachmonat / da es auch die weiber samlen zu bestreichung unnd sterckung der betten / daher es auch Streichblum genent würt.

Die natur und complexion.

   Die Chamillen alle wermen unnd trücknen im ersten grad / in sonderheyt die weisse.

Die krafft und würckung.

   Die wurtzel / blumen / unnd kraut wermen / machen subtil / unnd verzeren. Wann man darvon trinckt / oder darinn badet / so bringen sie den frawen jre zeit / und treiben den harn / und stein. Sie vertreiben die bläst und wind / auch den schmertzen der kleinen därm. Reynigen die geelsüchtigen / unn seind nützlich den lebersüchtigen. Chamillen gesotten in wasser / und über die blasen gelegt / linderen jren schmertzen. Das krefftigst under allen geschlechten / ist das mit den purpurfarben blumen. Das erst aber unnd ander / treiben den harn krefftiglich. Chamillen übergestrichen / heylen die fistel der augen. In wasser gesotten / und im mund behalten / vertreiben sie die mundfeule. Chamillen öl würt auch nützlich gebraucht zu den clystiern die man im fieber gebraucht. Es lindert auch allerley schmertzen / und nimpt hinweg die müde der glider. Was spannet und getänet ist / dasselbig macht es luck / und was verhertet ist / dasselbig linderts unn erweychts widerumb. Alles auch das verstopfft und dick ist / das eröffnets unn machts dünn. Man mag aber auch die Chamillen eins quintlin schwer zetrincken geben denen so von den natern gebissen seind / dann sie jhnen seer nützlich ist. Das geschlecht mit den purpurfarben blumen ist fürtreffenlich gut und krefftig zu dem stein / unnd den blöden dunckeln augen. Heylet auch die allten wunden und schäden / zerstossen und darüber gelegt.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de