Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Drachenwurtz. Cap. IIII.

 

Abbildung Drachenwurtz
Drachenwurtz ( VI )
Abbildung: Seite 45

Deutsch: Schwertlilie, Wasser-
Deutsch: Schwertlilie, Sumpf-
Deutsch: Schwertlilie, gelbe
English: Flag, yellow
English: Jacob's sword
English: Iris, water
Francais: iris des marais
Latein: Iris pseudacorus

Namen.

D
Iß kraut so im Teütschen landt würdt genent Drachenwurtz / Geel schwertel / oder Ackerwurtz / ist nit das so von den Griechischen und Lateinischen Acorus geheyssen würt / wie wir nach der leng in unserm lateinischen Kreüterbuch haben angezeygt / unn yetz zuerzelen dem gmeynen mann on von nöten. Dann von solchen span unn jrrungen / gebüret allein den gelerten und spraachverstendigen zureden. Derhalben wir sölche disputation an allen orten diß buchs wöllen überschreitten unnd underlassen.

Gestalt.

   Seine bletter seind lang / gleich der Veielwurtz / doch etwas schmaler unn spitziger / gegen der wurtzel etwan rotbraun geferbet. Die stengel so herauß dringen seind glatt / rund / und hol / auff welchen wachsen die geelen Gilgen. In einer yeden blumen seind die drey erste bletter undersich gebogen / dargegen wachsen drey andre bletter übersich / schmaler dann die understen. So gedachte blume außfallen / folgen dicke und dreyeckete schotten hernach / die seind inwendig mit geelem breyttem samen außgefüllet / ein yedes korn als ein zertruckte wicken anzusehen. Die wurtzel wechst überzwerch hin unn her übereinander / mit vilen angehenckten zaselen / ist inwendig rot leibfarb / am geschmack seer herb. Jre gstalt ist vast einem Drachen gleich / daher sie würt Drachenwurtz genennet.

Statt irer wachsung.

   Die geelen Gilgen haben jre wonung bey den wassern unn weyhern / an den feüchten stetten / als in den feüchten wisen / und wasser gestaden.

Die zeit.

   Im Lentzen ehe unn die blumen herfur kommen / pflegt man die wurtzel zu graben. Blüet im Meyen und anfang des Brachmonats.

Die natur und complexion.

   Drachewurtz trücknet auß on hitz / dann der herb geschmack zeygt klärlich an das dise wurtzel in kheinen weg hitzig sey / sonder vil mehr kalt / wie das die gelerten / so Galenum gelesen haben / wol wissen / und on von nöten dem Leyen vil darvon zuschreiben.

Die krafft und würckung.

   Die Drachenwurtz zeücht über die massen seer zusammen / darumb sol sie gebraucht werden zu allerley stellung des bluts / unn andrer bauchflüß. Sie ist aber fürtreffenlich gut zur stellung den frawe gebraucht / so zuvil fliessen. Man mag sie auch wol zu dem Ackerman gebrauchen / doch nit allein / sonder mit zuthun etlicher gewürtz / als zimmet / negelen / kalmus / yngber / unn dergleichen. Dann sie also vermischt / von wegen jhrer adstriction / oder zusamenziehung / dem magen seer nützlich ist. Aber allein sol mann dise wurtzel / wie etlich pflegen zethun / für den Acoru nit brauchen / sonder dafür nemen ein wurtzel die man yetzund schier bey allen Apoteckern findt / unn geheyssen würt Groß galgat. Dann dieselbig hat alle würckung des rechten Acori / dieweil sie scharpff / unnd in keinen weg / wie die Drachenwurtz / herb am geschmack gefunden würt.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de