Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Wermut. Cap. Das erst Capitel.

 

Abbildung Wermut
Abbildung: Seite 36

Deutsch: Absinth
English: Wormwood
Francais: absinthe
Latein: Artemisia absinthium L.
 

Abbildung Welsamen
Welsamen ( II )
Abbildung: Seite 37

Deutsch: Besenrauke
Deutsch: Sophienkraut
English: Tansy-mustard
English: Herb Sophia
English: Flixweed
Francais: sagesse des chirurgiens
Latein: Descurainia sophia

Namen.

W
Ermut / oder Weremut / würdt diß kraut von unsern Teütschen geheyssen darumb / das seer bitter ist / und derhalben freud und mut weret und vertreibt. In Griechischer unnd Lateinischer spraach würdt es genent Absinthium / welcher nammen biß auff den heutigen tag in den Apotecken bliben ist.

Geschlecht.

   Der Wermuts find mann dreierley geschlecht / wie das Dioscorides und Galenus klärlich anzeygen. Das erst nent man Römisch / oder gemeyn Wermut. Das ander geschlecht würt zu Latein Seriphium genent / auff Teütsch aber Welsamen. Das dritt würt im Latein genent Santonicum / darumb das es gern wechst bey den völckern in Franckreich so Santones geheyssen werde. Daher kompts das etlich auß mißverstandt diß worts / seinen samen / der in der artzney seer gebraucht würt / Sanctum / das ist / heylig nennen. Wiewol so sie demselbigen disen nammen geben umm seiner grossen krafft willen / die er in tödtung der würm so imm leib wachsen erzeygt / seind sie darumb nit zustraffen. In den Apotecken würt gedachter same genennet / Semen lumbricorum / das ist / wurmsame.

Gestalt.

   Der gemeyn Wermut ist eyn kraut mit vilen zincken und ästen / an welchen seind äschenfarbe bletter / vilfeltig zerspalten / unn goltgeele blumen / runder same / welcher als die kleinen treublin zusame getrungen ist. Das ander gschlecht Seriphium genent / hat zarte zincken unn ästlin / der kleinen Staubwurtz nit unänlich / und bringt vil kleines samens / darzu auch ist es bitter und eines starcken geruchs. Und wiewol diß kraut fürnemlich an dem meer wechst / und in Teütschen landen nit gefunden würt / doch mögen wir Teütschen wol und recht dafür gebrauchen das kraut so man Welsamen nennet / dann es der krafft / auch zum teyl der gestalt nach / dem rechten Seriphio gantz gleich ist. Santonicum ist dem gemeynen Wermut an der gestalt nit ungleich / doch an samen nit so reich / noch am geschmack so bitter.

Statt irer wachsung.

   Gemeyner Wermut wechst gern an gebawten / birgigen / unn steynigen orten / Das aller beste aber und fürtrefflichst / wechst in Ponto / Cappadocia / unn auff dem berg Taurus genent. Welsamen ist an etlichen orten Teütschlandß gantz gemeyn / dann es wechst an den wegen / mauren / und zeünen. Santonicum in Franckreich / wie oben angezeygt ist.

Zeit.

   Im Heümonat bringt Wermut blumen und samen.

Die natur und complexion.

   Der gemeyn Wermut ist im ersten grad warm / und im dritten trucken. Der safft aber ist vil hitziger dann das kraut. Diß erst geschlecht ist bitter / scharpff / unn zeucht zusamen. Das ander aber ist vil hitziger dann das erst. Das dritt macht subtil und dünne / wermet / und dörret minder dann das ander geschlecht.

Die krafft und würckung.

   Wermut hitziget / zeücht zusamen / ist bitter / scharpff oder räß / seubert / sterckt unnd trücknet auß. Derhalben treibt er auß durch den stulgang unnd harn / die gallen so sich in dem magen / oder desselbigen schlundt / auch in den adern gesamlet hat. So man Wermut nüchter jnnimbt / fürkommet man die trunckenheyt / unn würt einer denselbigen tag nit voller weins. Wermut mit Seselsamen getruncken / vertreibt die winde und bläste im bauch / auch weetagen des magens / dergleichen den unwillen / und das grawen. Wermut in wasser gesotten / oder geweycht / unnd darvon getruncken alle tag biß in die viii. lot / nimbt hinweg die geelsucht. So er aber mit hönig würt getruncken / oder an den heimlichen orten zu sich gethan / bringt er den frawen jhre kranckheyt. Mit essig getruncken / ist er gut für die gifftige schwammen. Mit wein aber ist er krefftig wider das gifft des wutzerlings / spinnen / und anderer gifftigen thier. So man denselbigen mit hönig anstreichet / ist er nützlich den duncklen augen / und vertreibt darinnen das undergerunnen blut. Wermut gesotten / unn alßdann den dampff darvon in den mund glassen / lindert das zanwee / unn weetagen der oren. Wermut mit süessem wein gsotten / und übergestrichen / benimbt den schmertzen der augen. Wermut mit rosenöl vermengt und übergelegt / ist dem magen seer dienstlich unn nützlich. Mit feigen / salpeter / und radten meel vermischet und übergeschlagen / kompt er den wassersüchtigen / unn miltzsüchtigen zuhilff. Wann Wermut in die gewandtkasten unnd truchen gelegt würdt / bewaret er die kleyder vor den schaben. Mit öl angestrichen / vertreibt er die schnacken / und mucken. Wann man wasser darinne Wermut gesotten oder geweychet ist in die dinten geüßt / so zerfressen die meüß die buchstaben nit. Solche krafft und tugent hat auch sein safft. Doch sol derselbig nit in den leib genommen werden / dann er schadet dem magen / unn bringt mit sich das hauptwee. Seriphium allein / oder mit reiß gesotten / und mit hönig jngenommen / tödtet die würm des bauchs / und lindert den stulgang. Solche tugent hat er auch / so er mit süessem wein würt jngenommen. Santonicu hatt gleiche krafft dem Serphio / aber es ist am allerbreüchlichsten wider die würm / mit hönig jngenommen / oder mit einem andern süessen tranck.
   Der Wermutwein bekompt treffenlich wol dem magen / dann er stercket seine dewung / macht auch lust zu essen. Bringt den frawen jhre blödigkeyt. Ist gut den lebersüchtigen und geelsüchtigen / auch den so würm haben.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de