Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Lindenbaum. Cap. CCCXXXII.

 

Abbildung Lindenbaum
Lindenbaum ( CCCCXCV )
Abbildung: Seite 853

Deutsch: Linde
English: Lime tree
Francais: tilleul
Latein: Tilia

Namen.

D
Er Lindenbaum würt bey den Griechen Philyra genent. Zu Latein Tilia / welcher namen in den Apotecken biß auff disen tag verharret ist.

Geschlecht.

   Die allten alle underscheyden den Lindenbaum in zweyerley geschlecht / nemlichen in das mennle unnd weible. Das mennle hat ein hart falb knopffecht holtz / ein dicke rinden / die sich / so sie abgeschelet würdt / nit biegen laßt / ist bas geschmacker weder des weiblins. Bringt auch weder blumen noch frucht. Das weible ist eins dicken stammens / und hat weiß holtz / seine rind laßt sich biegen / dann man macht wiegen darauß. Bringt blust unn frucht. Das weible ist uns allein bekant / darumb wir auch desselbigen gestalt allein beschreiben wöllen.

Gestalt.

   Lindenbaum das weible hatt einen dicken stammen / der breytet sich weit mit seinen ästen auß. Seine bletter seind dem Ephew laub nit unänlich / aber weycher / obenauß mehr zugespitzt / unnd zu ringßumbher wie ein säg zerkerfft. Die blumen / weil sie noch in jhren secklin stecken / seind grün / wann sie herauß kommen bleychgeel. Darauß würt die frucht / welche rund ist / wie die beer am Ephew. Unn dise frucht versucht oder isset kein thier / so sie doch die bletter nit scheühen und essen.

Statt irer wachsung.

   Die Lindenböum wachsen gern im gebirg. Werden aber yetzund / in sonderheyt das weible / allenthalben under die thor / un sonst an andere ort gepflantzt.

Zeit.

   Das weible blüet im Brachmonat.

Die natur und complexion.

   Der Lindenbaum ist warm / zeücht ein wenig zusamen / und seubert.

Krafft und würckung.

   Die bletter vom Lindenbaum dem weible / grün mit essig zerstossen unnd übergelegt / heylen die wunden. Der safft auß den blettern unn blumen / vertreibt runtzel unn flecken des angesichts / darmit gewäschen. Der safft von der innern rinden angestrichen / legt nider die geschwulst. Die rind im mund gekewet und übergelegt / heylet die wunden. Gedachter safft angestrichen / macht das har wachsen / und verhindert das es nit außfelt. Die bletter im mund gekewet / heylen die mundfeule. Inn wein oder wasser gesotten unnd getruncken / treiben sie den harn / unn bringen den frawen jre zeit. Sie seind auch diser gestalt gebraucht gut denen so die fallende sucht haben / unnd treiben das grieß. Die wurtzel hatt gleiche krafft. Die bletter zerknütscht unnd auff die geschwollne füß gelegt / treiben die geschwulst hinweg. Man macht auß Linden blust ein Conserva / oder zucker / der ist gut zu dem vergicht oder freischlin genent.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de