Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von MeŘ▀÷rlin. Cap. CCXXXI.

 

Abbildung Nagelkraut
Nagelkraut ( CCCXLIII )
Abbildung: Seite 602

Deutsch: Habichtskraut, kleines
English: Hawkweed, mouse-ear
Francais: ÚperviŔre piloselle
Latein: Hieracium pilosella
 

Abbildung Meu▀÷rlin
Meu▀÷rlin ( CCCXLIIII )
Abbildung: Seite 603

Deutsch: Katzenpf÷tchen, gew÷hnliches
English: Cat's-foot
English: Everlasting, mountain
Francais: pied de chat
Latein: Antennaria dioica

Namen.

D
Ie Meußörlin darvon wir an disem ort handlen / werden zu unsern zeiten Pilofellae / umb der wollen unnd har willen / darmit sie geziert seind / genent. Wie aber dise kreüter von den alten geheyssen worden seind / oder ob sie denselbigen bekant gewesen oder nit / ist noch zur zeit niemands / meins erachtens / bewüßt.

Geschlecht.

   Der Meüßörlin seind zweyerley geschlecht / groß und klein. Das groß würt von ettlichen Nagelkraut geheyssen / das klein aber fürnemlich Meüßörlin / unn Hasenpfätlin. Was sonst für underscheyd zwüschen disen geschlechten sey / wöllen wir in der beschreibung beyder gestalt anzeygen.

Gestalt.

   Das Nagelkraut ist mit seinen blettern auff dem boden außgebreyt / die seind von farben weiß / rauch und harig / ein yedes blatt anzusehen wie die ohren an den grossen meüsen. Seine stengel seind anderhalb spannen lang / harig / die tragen bleychgeele gefüllte blumen. Die wurtzel ist fingers lang / mit vilen zaseln.
   Das klein Meüßörlin ist mit kraut unnd wurtzel dem vorigen gleich / aber vil kleiner. Seine blümlin seind von vilerley farben / weiß / rot / braun / unnd gesprengt / wie das gemäl klärlich anzeygt.

Statt irer wachsung.

   Das droß Meüßörlin wechßt an sandigen magern büheln / und an den reynen der äcker. Das klein auff dürren heyden.

Zeit.

   Das groß Meüßörlin blüet fürnemlich im Meyen und Brachmonat. Das kleiner am ende des Meyen und anfang des Brachmonats. Das groß würdt noch im Herbst mit seinen blumen gefunden. Das klein verschwindt nach oben angezeygter zeit.

Die natur und complexion.

   Die Meüßörlin seind warm unnd trucken / welches der geschmack klärlich außweißt / der do etwas bitter ist und zusamen zeücht.

Krafft und würckung.

   Die bletter der Meüßörlin gedörrt und gepulvert in die wunden gestrewt / heylen dieselbigen. Deßgleichen thut auch die wurtzel diser massen gebraucht / oder in wasser gesotten und getruncken. Gedachte wurtzel in wasser gesotten / oder mit der speiß gessen / heylet den bruch. Gleiche würckung hat auch der safft der auß den grünen blettern getruckt würdt. Darumb bestreichen ettlich mit disem safft die schneid der messer unn weeren / auff das sie allerley eisen durchschneiden unnd zerteylen. In summa / die Meüßörlin seind rechte wundtkreüter / sollen der ursach halben in eeren bey den wundtärtzten gehalten werden.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de