Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Engelsüeß. Cap. CCXXIIII.

 

Abbildung Engelsüß
Engelsüß ( CCCXXXIIII )
Abbildung: Seite 586

Deutsch: Tüpfelfarn, gewöhnlicher
Deutsch: Engelsüß
English: Polypody, common
Francais: polypode commun
Latein: Polypodium vulgare

Namen.

D
En Engelsüß nent man auch Baumfarn und Tropffwurtz / umb der kleinen geelen tröpfflin willen / deren die Engelsüß überflüssig vil auff der einen seiten gewindt. In Griechischer unn Lateinischer spraach heyßt er Polypodium / unn Filicula. Die Apotecker haben den Griechischen namen Polypodiu behalte. Ursach desselben unn auch des Lateinischen namens findt man in unserm Lateinischen kreüterbuch.

Gestalt.

   Engelsüß ist ein kraut einer spannen ungevärlich hoch. Seine bletter seind dem Farnkraut änlich / unnd zerkerfft / allwegen zwey gegen einander am harigen runden stylen / welcher wachsen vil auß einer harechten / kriechenden / runden / knöpffechten wurtzel / mit vilen kleinen fäßlin. Dieselbige ist außwendig schwartz / inwendig aber grünfarb / am geschmack bittersüß durch einannder vermischt. Gewindt weder stengel noch blumen.

Statt irer wachsung.

   Engelsüß wechßt in den wälden / fladert und kreucht auff den miesigen felsen hin und her. Item an den stammen und wurtzeln der böum / sonderlich der Eychböumen. Man findt auch den Engelsüß auff den seer allten Felbern oder Weidenköpffen am aller schönsten / unnd hab sie selber zu Tübingen auff dem Werd nur hüpsch gefunden.

Zeit.

   Engelsüß sol im end des Augstmonats gesamlet werden.

Die natur und complexion.

   Engelsüß ist süß unnd rauch durch einander / darumb trücknet es auß on alles beissen.

Die krafft und würckung.

   Die wurtzel / welche im brauch ist / bey hünern gesotten / oder mit Mangolt / oder Pappeln / und die brüe darvon nüchtern warm getruncken / treibt auß allerley gallen unn schleim durch den stulgang. Deßgleichen thut sie auch so mans dörret / zu pulver stoßt / unnd auff ein quintlin schwer in Meth jnnimpt. Engelsüß wurtzel mit hönig gestossen unnd übergelegt / ist nützlich denen so sich verrenckt haben / und heylet die schrunden an den henden unnd füssen.. Man mag auch dise wurtzel in wasser beytzen / und darnach den safft darauß trucken / derselbig purgiert auch. Dise wurtzel gepulvert unnd in die nasen gethon / verzert das überig fleysch darinn / Polypum geheyssen.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de