Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Maulbeeren. Cap. CXCVIII.

 

Abbildung Maulbeerbaum
Maulbeerbaum ( CCXCV )
Abbildung: Seite 523

Deutsch: Maulbeerbaum, schwarzer
English: Mulberry, black
Francais: műrier noir
Latein: Morus nigra

Namen.

D
Er Maulbeerbaum ist von den Griechen Morea / oder Sycaminea / auff Lateinisch aber Morus genent / welcher name biß auff den heütigen tag in den Apotecken bliben ist. Zu unsern zeiten würt es Morus Celsi geheyssen.

Gestalt.

   Der Maulbeerbaum hat runde bletter / doch oben zugespitzt / zu ringßumbher zerkerfft wie ein säge / seind dem ersten geschlecht der zamen Müntzen gantz gleich. Gewindt wollechte blust. Sein frucht ist erstlich weiß / darnach rot / unn zu letzst wann sie zeitig ist / schwartz oder braun. Mit disen Maulbeer blettern werden erhalten die seiden würm / bey welchen sich vil wunderbarliche verwandlung zutragen / ehe und sie jhr werck volkommenlich verbringen. Dann gegen dem frühling wann es schier umb die zeit ist das der Maulbeerbaum grünen unnd außschlagen sol / muß man die eyer so die Seidenwürm den vergangnen Herbst gesetzt haben / auff einem papyr oder tüchlin an die sonnen setzen / oder in einer warmen stuben behalten / biß sie außschlieffen. Seind erstlich gantz klein wie die käßmaden / dieselbigen setzt man auff das Maulbeer laub / von welchem sie erneeret werden. Sie wachsen aber vonn tag zu tag biß sie ongevärlich des kleinen fingers dick unnd lang werden. Darnach setzt mans in ein guckheüßlin von papyr gemacht / so fahen sie an zespinnen / und verwicklen oder verspinnen sich selbs das mans schier nit mehr sehen kan. Im spinnen werden sie gantz dünn und durchsichtig / zu letzst lassen sie ein feüchtigkeyt von sich und sterben. Wann sie nun gestorben seind / muß man über ettlich tag die seiden herab winden / so findt mans das sie inn mitler zeit ein geele schelfen wie ein krebs überkommen haben / und seind der gstalt nach einem wachtelpfeifflin nit ungleich / es geen auch die schelfen mit jren gleychen hindersich und fürsich. Wann sie ettlich tag in diser schelfen gelegen seind / werden sie widerumb lebendig / unn schlieffen herauß / und werden feinfalter / setzen sich auff einander wie die fliegen / und fladern hin und wider mit jren flügeln biß das sie jre eyer auff ein papyr oder tüchlin setzen / welche der gestalt nach den Hirßkörnern änlich seind. Demnach sterben sie widerumb / unn werden hinweg geworffen / dann sie zu nichten mehr nütz seind. Die eyer aber behaltet man in einer truhen biß zu anfang des frülings / unnd setzt sie alßdann / wie vormals angezeygt / an die sonnen. Sölche wunderbarliche verwandlung der natur hab ich hie bey dem Maulbeerbaum müssen erzelen unnd anzeygen / darmit man künde sehen was für seltzame verwandlung und würckung die natur mit disen Seidenwürm übe und treibe.

Statt seiner wachsung.

   Der Maulbeerbaum wechßt gern an warmen und sandigen orten. Er wil mist haben / und begert wart mit dem umbgraben / wie andere böum mehr.

Zeit.

   Der Maulbeerbaum blüet am letzsten under den heymischen böumen / und kompt sein laub nit herauß biß die kelte gantz fürüber ist. Daher würt er der aller fürsichtigest under allen andern böumen geheyssen / dieweil er diser gestalt allen reiffen und ungewitter entrinnet.

Die natur und complexion.

   Der Maulbeerbaum ist einer vermischten art / dann die unzeitige frucht nachdem sie dürr würdt / zeücht seer zusamen. Aber die zeitig frucht / allein mittelmässig. Die rinde des Maulbeerbaums ist etwas bitter / darumb seubert sie unn purgiert. Die bletter haben ein mittelmässige natur im purgieren unn zusame ziehen.

Die krafft und würckung.

   Die frucht so sie zeitig würt / lindert den bauch / würt leichtlich im magen zerstört / ist auch dem magen widerwertig. Gleiche krafft hat sein safft dieweil er row ist. So er aber gesotten würt unn folgends an die sonnen gestelt / zeücht er zusamen. So man hönig mit disem safft vermischt / so stellt er und treibt hindersich die flüß und geschwulst der mandeln. Er ist auch nütz zu andern gebresten des munds. Die unzeitigen Maulbeer dürr zerstossen unnd gessen / stellen den bauchfluß. Die rinde von der wurtzel in wasser gesotten unn getruncken / lindert den bauch. Sie treibt auch auß also genommen die breyten würm des bauchs. Die bletter zerstossen mit öl vermischt und angestrichen / heylen den brand. Die bletter unn rinden gesotten und das wasser im mund gehalten / legt das zanwee. Die unzeitig frucht zeücht zusamen / stellt den bauchfluß / unnd heylet die roten rhur. Wann die Maulbeer in einen guten magen kommen / und vor andrer speiß genommen werden / geen sie schnell durch den bauch / unnd machen den andern speisen einen weg. So sie aber nach den anderen speisen gessen werden / oder aber in eine bösen magen kommen / so werden sie mitsampt anderer speiß im Magen zerstört.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de