Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Tamarisck. Cap. CXCIIII.

 

Abbildung Tamarisck
Tamarisck ( CCXC )
Abbildung: Seite 514

Deutsch: Rispelstrauch, deutscher
Deutsch: Tamariske, deutsche
English: Tamarisk, shrub
English: Tamarisk, German
Francais: tamarix d'Allemagne
Latein: Myricaria germanica

Namen.

T
Amariscken oder Porst würdt bey den Griechen Myrice / wie auch bey den Lateinischen / und Tamarix genent. In den Apotecken heyßt diß gewechß Tamariscus.

Geschlecht.

   Des Tamariscken seind zweyerley geschlecht / zam und wild. Den zamen säet man / unnd wechßt hoch auff als ein baum / bringt auch frucht. Der wild ist ein stauden gewechß / und unfruchtbar. Und werden desselbigen auch zwey geschlecht gefunden. Eins hat ein gantz braunen stengel unn blumen. Das ander aber einen geelgrünen stengel / und wollecht blumen / seind sonst einander gleich.

Gestalt.

   Der wild Tamarisck ist ein gesteud das ist nider / mit vilen ästen / welche zum teyl geelgrün / zum teyl auch gantz braun seind / mit blettern bekleydet die seind dem Sevenbaum oder Heyden gleich. Seine blumen seind wollecht / zu zeiten braun. Die wurtzel ist rund / fingers dick / unn schwartz. Der zam ist dem wilden seer gleich / doch nit unfruchtbar / dann es bringt ein frucht die ist den Gallöpffeln gleich.

Statt irer wachsung.

   Der zam Tamarisck wechßt in Syria und Egypten / da er als groß würdt wie die hohen böum. Der wild steet gern bey den wassern unn pfülen / würdt an vil orten unsers Teütschen lands / nemlich umb den Rhein / Iser / und Lech / gefunden.

Zeit.

   Der Tamarisck grünet zu allen zeiten. Seine blust würdt aber im Meyen gefunden.

Die natur und complexion.

   Tamarisck seubert / zerteylt / und zeücht ein wenig zusamen. Ist warmer natur / doch trücknet er nit seer / er werde dann zu äschen gebrent.

Die krafft und würckung.

   Die bletter oder wurtzel des Tamariscken gesotten mit essig oder wein / seind gut denen getruncken so das miltz verhertet ist. Sie machen auch das miltz kleiner. Im mund warm gehalten / lindert es den schmertzen der zeen. Die frawen die zuvil fliessen / sollen sich in das wasser setzen darinn Tamarisck gesotten ist / so stellt es den fluß. Wer voller nissz und leüß ist / der bespreng sich mit wein darinn Tamarisck gesotten ist / so vertreibt er sie. Der Tamariscken same gesotten unnd getruncken / ist gut denen so blut speien / den bauchfluß haben / den frawen die zuvil fliessen / und denen so von gifftigen thieren gebissen seind. Allso warm übergelegt treibt er hindersich alle geschwulst. Die rinde vom Tamariscken hat gleiche krafft. Ein zäpfflin auß äschen von Tamariscken gemacht unnd in die muter gethon / stellt das überig fliessen der frawen. Ein trinckgeschirr auß Tamariscken holtz gemacht und darauß getruncken / ist nützlich den miltzsüchtigen. Tamarisck in wein gesotten / zerstossen unnd mit hönig auff den krebs gelegt / heylt denselbigen. Der safft auß Tamariscken blettern getruckt und mit wein getruncken / ist ein treffenliche artzney zu dem miltz.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de