Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

Flachß (178) vorheriges Kapitel Inhaltsverzeichnis folgendes Kapitel zamen Bingelkraut (180)
 

Von Brunnenleberkraut. Cap. CLXXIX.

 

Abbildung Steinleberkraut
Steinleberkraut ( CCLXVI )
Abbildung: Seite 476

Deutsch: Lebermoos, Brunnen-
English: Liverwort, common
Francais: hépatique des fontaines
Latein: Marchantia polymorpha

Namen.

B
Runnenleberkraut oder Steinleberkraut ist darumb also genent worden / das es sein wonung in den tieffen kalten brunnen und felsen hat. Von den Griechen und Lateinischen würt es Lichen geheyssen. In den Apotecken nent mans Hepatica. Ursach sölcher name findt man im Lateinischen kreüterbuch angezeygt.

Gestalt.

   Steinleberkraut fladert und kreucht weit umb sich / mit vil schüpechten feyßten blettern / nit anderst dann die zitterflechten am leib / daher es auch Lichen ist genent worden. Dise bletter seind auff einer seiten grün / auff der andern braunlecht. Under den blettern tringen und wachsen herfür feyßte / kurtze und dünne stylen / als netzfäden. Auff einem yeden styl sicht man ein schöns rädle sitzen / geformiert wie ein klein sternlin. Die wurtzel dises krauts ist nit anderst dann ein reyne harechte weyche wollen / darmit es sich an die felsen der brunnen knüpfft.

Statt seiner wachsung.

   Brunnenleberkraut wechßt auff den feüchten schmeckenden felsen und steinen / auch in den tieffen kalten brunnen.

Zeit.

   Im Brachmonat und Hewmonat findt mans diser gestalt mit seinen rädlin oder sternlin wachsen.

Die natur und complexion.

   Brunnenleberkraut ist kalter unnd truckner natur / wie wir sölchs ursachen haben in dem Lateinischen kreüterbuch gnugsam angezeygt.

Die krafft und würckung.

   Das brunnenleberkraut grün zerstossen / unnd über die wunden gelegt / stellet das blut / und lescht alle unnatürliche hitz. Es heylt auch diser gestalt zerstossen und angestrichen die flechten. Mit hönig vermischt und angestrichen / vertreibt es die bösen farb denen so die geelsucht gehabt haben. Inn wein gesotten und im mund gehalten / stillt es den hauptfluß der stäts herab in den hals fellt. Es vertreibt auch allerley mäler des leibs / angestrichen.

nach oben

Flachß (178) vorheriges Kapitel Inhaltsverzeichnis folgendes Kapitel zamen Bingelkraut (180)

© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de