Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von MeyenblŁemlin. Cap. LXXXVIII.

 

Abbildung MeyenblŁmle
MeyenblŁmle ( CXXXIII )
Abbildung: Seite 255

Deutsch: MaiglŲckchen
English: Lily-of-the-Valley
Francais: muguet (de mai)
Francais: lis de vallťes
Latein: Convallaria majalis

Namen.

D
Ie Meyenblümlin werden auff Griechisch Ephemeron / Lateinisch aber Iris sylvestris / und zu unsern zeiten Lilium Convalliu geheyssen / nit mit eim ungereimpten name / dieweil es meins erachtens das ander geschlecht der Gilgen ist bey dem Theophrasto / so im früling blüet. Ursach aller diser namen haben wir nach der leng im Latein angezeygt.

Gestalt.

   Meyenblümlin haben zwey grüne bletter neben einander die seind der weissen Gilgen blettern änlich / doch vil zärter / zwüschen welchen dringt herauß ein glatter stengel mit fünff oder sechß / etwan auch mehr / runden weissen knöpfflin als Erbsen / die thun sich auff / unn werden zu schönen schneeweissen holen blümlin / anzusehen wie ein rundes Cymbal glöcklin / zu ringßumbher schartecht wie ein säge. In einem yeden glöcklin ist ein purpurfarbs flecklin. Dise blümlin riechen über die maß wol / seind aber am geschmack bitter. So die blümlin verdorren und abfallen / werden darauß schöne beerlin / den roten Corallen / oder der frucht der Spargen gleich / die seind gar weych. Die wurtzel ist ettwas lang / unnd zasecht / flicht sich hin und wider / zeücht zusamen / unnd hat einen guten geruch.

Statt seiner wachsung.

   Meyenblümlin haben jhre wonung in wälden und schattechten orten.

Zeit.

   Im Meyen bringt diß kraut seine liebliche wolriechende blümlin / und vergeen schnell widerumb unn dorren ab. Darnach gegen dem Hewmonat bringt es sein frucht / die roten beerlin / wie oben angezeygt.

Die natur und complexion.

   Diß kraut hat ein zusamen vermischte complexion / nemlich es treibt hindersich / dieweil die wurtzel zusamen zeücht / zerteylt auch vonn wegen der blumen unn bletter / die do bitter seind / wie man auß seiner würckung wol abnemen kan.

Die krafft und würckung.

   Die wurtzel gesotten / und das wasser darvon im mund gehalten / vertreibt das zanwee. Die bletter in wein gesotten unnd übergelegt / zerteylen die geschwulst darinn sich das eyter noch nit gesamlet hat. Der safft auß den blumen ist krefftig zu stercken das hertz / hirn und leber. Unnd vil mehr das gantz kraut mit blettern / blumen / und wurtzel gesotten / und getruncken. Sol in sonderheyt gebraucht werden in der onmacht / dem schwindel / unnd der fallenden sucht. Man sagt auch das es dem außsatz were / so mans in der erste täglich braucht. Der safft ist auch fürtreffenlich gut zu den augen / dann er macht sie lauter / und vertreibt die dunckelheyt derselbigen.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de