Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Gichtwurtz. Cap. LXXV.

 

Abbildung Gichtwurtz
Gichtwurtz ( CXII )
Abbildung: Seite 220

Deutsch: Pfingstrose, echte
English: Peony, cottage
English: Peony, common
Francais: pivoine
Latein: Paeonia officinalis

Namen.

G
Ichtwurtz nent man sonst auch Peonien blumen / Benedicten rosen / Benignen rosen / Pfingst rosen / Peonien rosen / Venedisch rosen / Künigßblum. Bey den Griechen würdt sie Glyciside geheyssen / auff Lateinisch Paeonia / und Casta herba. Ursachen diser namen haben wir in unserm Lateinischen kreüterbuch angezeygt.

Geschlecht.

   Der Gichtwurtz seind zwey geschlecht / weible und mennle. Das mennle nent man Ninivenwurtz / welches wir noch nit gesehen haben. Das weible hat die namen so wir vormals haben erzelt.

Gestalt.

   Gegen dem früling stossen sie die schönen roten dolden herfür / welche so sie sich auff thun / werde darauß stengel elen hoch. Die braunrote bletter so erstlich erscheinen / ferben sich dann ye mehr mit grüner farb. Dieselbigen aber an dem mennle seind dem Nußbaum laub gleich. Am weible aber seind sie zerschnitten / wie an dem Liebstöckel. Auff dem öbersten teyl der stengel kommen schöne runde knöpff / die thun sich auff / unnd werden zu schönen roten rosen / deren ettlich einer hand weit seind / inwendig mit gantz geelem har oder zaseln geziert. So diser rosen bletter abfallen / wachsen hernach hülsen den Mandeln gleich / welche so sie sich auff thun / sicht man darinnen schöne rote körner / den Granatöpffel körnern nit unänlich. Sölche so sie zeitig unn alt werden / gewinnen sie ein andere farb / und werden gar schwartz außwendig / inwendig aber weiß. Die wurtzel des mennlins ist fingers dick / und spannen lang / weiß / unn zeücht zusamen. Des weiblins wurtzel ist knöpffecht / unnd die knöpff so daran seind / vergleichen sich etwas den eycheln / wie an der Goldwurtz mennle genant.

Statt irer wachsung.

   Gichtwurtz wachsen in hohen gebirgen / aber das weible würdt in unsern landen in allen gärten gepflantzt.

Zeit.

   Das weible blüet im Meyen. Das mennle ist mir noch nit zusehen worden.

Die natur und complexion.

   Peonien rosen ziehen zusamen / und seind etwas süß. Und so mans ein zeit lang im mund helt / befindt man das sie auch ein scherpffe hat die ettwas bitter ist. Ist derhalben einer subtilen substantz / trücknet auß / und hat ein mittelmässige werme.

Die krafft und würckung.

   Die wurtzel der Peonien rosen gedörrt / gestossen / und einer Mandel groß mit wein jngegeben / reynigt die weiber nach der geburt / und bringt jhn jre blödigkeyt. Sie lindert auch diser gestalt getruncken den schmertzen unnd weetagen des bauchs. Ist nützlich denen so die geelsucht haben / schmertzen der nieren und blasen. Benimpt auch die verstopffung der leber unnd nieren. Herwiderumb aber stopfft sie den stulgang so sie mit wein getruncken würt. Zehen oder zwölff roter Peonie körner in rawhem schwartzrote wein gesotten / stillen der weiber kranckheyt. So sie von den jungen kindern gessen oder getruncken werden / lassen sie den stein nit wachsen. Fünffzehen schwartzer Peonien körner zerstossen / unn in Meth oder wein jngegeben / seind treffenlich gut denen / so vermeynen sie werden von einem andern im schlaff getruckt / und den weibern welche die muter übersich steigt. Die wurtzel sol man an hals hencken für die fallende sucht / welches Galenus erstlich / unnd nach jhm vil haben bewäret / und wargenommen.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de