Leonhart Fuchs
W. Waimann
Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543

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Von Eniß. Cap. XIX.

 

Abbildung Eniß
Eniß ( XXXV )
Abbildung: Seite 92

Deutsch: Anis
English: Anise, common
Francais: anis
Latein: Pimpinella anisum

Namen.

D
Er Eniß oder äniß / würdt auff Griechisch unnd Lateinisch Anisum geheyssen / welchen namen er biß auff den heütigen tag in den Apotecken behalten hat.

Gestalt.

   Eniß ist ein kraut erstlich mit dem stengel / bletter unnd blumen dem Eppich gantz änlich. Dann sein stengel ist ein wenig mit holkälen underscheyde / rund / und hat vil äst. Sein bletter aber die erstmal herfür kommen / seind rund / aber darnach werde sie zerspalten wie des Eppichs. Auff dem stengel gewindt es vil schöne weisse blümlin / und einen kolben dem Fenchel gleich. Das gantz kraut / gleicher gestalt wie der same / ist eines guten geruchs unnd geschmacks.

Statt seiner wachsung.

   Diser sam kompt erstlich auß Syria / ist yetzund gemeyn worden / also das er vast in allen gärten wechst.

Zeit.

   Blüet im Brachmonat unnd Hewmonat / zu welcher zeit man auch seinen samen samlen mag.

Die natur und complexion.

   Diser same ist warm und trucken im dritten grad.

Die krafft und würckung.

   Eniß samen macht ein geringen / unn wolschmeckenden athem. Legt schmertzen und weetagen / treibt den harn. Ist nutz jngenomen den wassersüchtigen / unnd vertreibt das auffbleen des bauchs. Er ist auch gut zu den gifftigen thieren / auff jhre biß gelegt. Verstelt den stulgang / unnd den weissen fluß der weiber. Weiter so bringt Eniß den weibern die milch / unnd mehret den lust zur unkeüscheyt. Ein rauch von Eniß samen gemacht / und in die nasen empfangen / vertreibt das hauptwee. Diser same gestossen / und mit rosen öl vermengt / unnd in die ohren gethan / heylet jhre verwundung. Eniß inn ein küssen oder secklin gethan / unnd für die nasen gehencket / und daran geschmeckt / vertreibt die böse traum. Diser same macht lust zu essen / unnd stilt das hechsen und auffstossen des magens / bringt den schlaaff / treibt den nieren stein / und so man den selbigen dorret ist er gut zu der roten rhur. Er ist auch sonderlich gut den kindern so das vergicht haben. Unnd seind ettlich die schreiben / so man disen samen nur in der hand halte / das er das vergicht unnd den fallenden siechtagen verhalte. Er ist auch gut gessen / oder übergelegt den weibern / so die muter über sich steigt. Mit wein getruncken / bringt er den schweyß / und nimpt hinweg allerley verstopffung. Das kraut unnd der sam vertreiben die schaben vonn den kleydern.

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© 02.05.2011 E-Mail kreuterbuch@waimann.de