Titel Erneuerte Land Gebott

31. Also ist auch sonst der Zeit / ausser was natürlicher Weiß beschehen mag unnd kan / kein Würckung zuzuaignen oder zuzuschreiben / wie fast durchgehender böser Brauch ist / daß den Rossen an St. Stephans=Tag zu ungelegener / unnd der verständigen Roß=Artzten Mainung nach / jhnen den Rossen gantz schädlicher Winters=Zeit zur Ader gelassen würdet / da man deß heiligen Feyertags billich verschonen / unnd wann es je umb solche Zeit fürträglich / ein andern Tag vor oder nach den Feyertägen darzu erwöhlen sollte. Derentwegen solche Aderlaß hiemit als ein ärgerlicher Aberglauben / da nit die unvermeydenliche Noth etwann dieselbige an einem krancken Roß erfordern wurde / gäntzlichen verbotten seyn / und die Ubertretter härtiglich gestrafft werden sollen.

32. Eben die Mainung hat es mit den jenigen / welche am Weyhnacht=Abend / oder am Faßnacht=Tag wider das Fieber unnd Zahnweh baden / so nit weniger abzustraffen.

33. Deß Geschlichters ist auch / daß etliche am Ostertag oder Weyhnacht=Tag kein Fleisch essen / wider das Fieber / oder zu anderer gewissen Wurckung. Dann obwol sonsten / da dergleichen auß Andacht / und in Mainung einer Casteyung allein in Hoffnung diß oder jenes Zeitlichs zuerlangen / und nit umb gewisser ohnfehlbarer dergleichen Ding Würckung willen fürgenommen wird / solches nit unrecht gehaissen und zugelassen werden möchte / so hat es doch an disen hohen Festen / da sich die gantze Christenheit erfreuet / ein ärgerliches Ansehen / wann es schon / wie gemeldt / ohn Aberglauben der gewissen Würckung / so doch fast

Seite 27 des "Erneuerte Land Gebott" von 1665
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