Titel Erneuerte Land Gebott

29. Ferners ist gar ein alte böse Superstition, daß an etlichen Orthen der Heyligen Bildnussen / zu gewissen Zeiten im Jahr / bevorab an jhrem Festag auff der Gassen mit Trummel unnd Pfeiffen herumb getragen / als mit S. Urban durch die Schäffler / und mit S. Loy durch die Schmidt / auch mit anderer Heyligen Bildnussen von andern Handwerckern beschicht / und da es nit schön Wetter / in das Wasser geworffen / also die lieben Heyligen GOttes hierdurch höchlich geunehret werden / auch noch mehr schimpfflicher Proceß darmit fürgeht / daß ein oder zween auß dem Hauffen für die Heylige / damit sie nit in das Wasser geworffen / Borg werden / samb werden sie gewiß schön Wetter hernach bringen / mit dem Wohn und Glauben / es mueß nothwendig schön Wetter darauff erfolgen. Unnd ob gleichwol solche ärgerliche Superstition in disem Land unnd Fürstenthumben nit so gar mehr im Schwung und Gebrauch / als vor Alters gewest / soll dannoch dieselb nunmehr unnd hinfüro / wie auch das herumb tragen der Heiligen Bildnuß ( so durch die Handwercker mit Trummel unnd Pfeiffen auff offentlicher Gassen beschicht) aller Orthen hiemit gäntzlich abgeschafft und abgestellt seyn / unnd wider die Uberfahrer gebührende Straff fürgenommen werden.

30. Uber dises alles seynd die jenige / welche Kräuter außgraben / oder andere gewisse Sachen / sonderlich mit Rauten und vierblätterten Klee verrichten / in gewissen heiligen Nachten und Stunden / und mit gewissen Cermonien / so dann zu Zeiten ausser natürlicher Würckung vor Auffgang der Sonnen / von solchen bösen Aberglaubens wegen / der auch bißweiln mehr als ein blosse Supertition auff sich hat / wol zu punctiren und zustraffen.

Seite 26 des "Erneuerte Land Gebott" von 1665
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